Die Spielzeit 2012/13 im jungen schauspiel

Was für eine unglaubliche Vorstellung: Du wachst morgens auf und bist ein Insekt. Liegst auf dem Rücken, kommst nicht auf die vielen dünnen Beine und drehst dich auf deinem Rückenpanzer hin und her wie – ja, eben wie ein Käfer, der auf seinem Rücken liegt. Was tun? Mach das Beste draus, wäre vielleicht der seltsame Rat von Franz Kafka, der vor genau 100 Jahren eine Erzählung mit
dem Titel DIE VERWANDLUNG schrieb. In dieser Erzählung geschieht einem jungen Mann namens Gregor Samsa, was sowohl Horrorfilm- wie Science-Fiction-Liebhaber begeistern dürfte: der Held der Geschichte wird zum Krabbeltier und muss damit klar kommen. Das ist skurril, traurig, schaurig, aufregend und vor allem tiefgreifend klug, denn es ist natürlich nicht nur eine Gruselgeschichte, sondern ein Stück Weltliteratur, dass hier zu Papier gebracht wurde. Zur Eröffnung der Spielzeit 2012/13 bringt das junge schauspiel die Geschichte von Gregor Samsa auf die Bühne, ein passender Einstieg in den nahenden Herbst, der uns vom Grillplatz endgültig in die Innenräume (des Theaters) locken wird.

Ein süßes Haustier, das ist der Traum aller Kinder. Ein Haustier, das sprechen kann: das wäre natürlich das Allertollste. Gerade Einzelkinder sind begeistert von der Idee eines tierischen Kameraden, der sie versteht und mit ihnen die Gedanken und das Zimmer teilt. Aber auch alte Leute lieben ihre Katzen, Hunde und Vögel mitunter wie ihre Enkelkinder. So auch der alte PETTERSSON, der mit seinem sprechenden Kater FINDUS in seinem kleinen Häuschen auf dem Land wohnt und mit ihm Tisch und Stall teilt. Aus den liebevollen Geschichten von Sven Nordqvist macht das junge schauspiel unter der Regie von Thomas Esser (der zuletzt DER FROSCHKÖNIG am DT in Göttingen inszenierte) ein Theaterstück für kleine Zuschauer ab 4 Jahren.

Du da: Bist du bei Facebook? Twitterst du, simst und MMst du, drehst Minifilme mit deinem Handy, postest um die Wette? Und liebst/hasst iTunes, iPhones, iPads und Internet in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass die Langeweile oder das fehlende Taschengeld euch scheidet? Wir machen ein Stück für alle, die gerne in Kontakt sind, egal wie, egal wo, egal warum, mit wem und wozu. SWITSCHERN heißt der Arbeitstitel unserer diesjährigen Jugendproduktion, die wieder Martin Thamm, der Regisseur von JUNGS – EIN FORSCHUNGSPROJEKT, mit ausgesuchten Teilnehmern auf die Bühne bringen wird.

Wer hat das nochmal gesagt: »Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt«? Nein, das war kein eingebildeter König, das war natürlich PIPPI LANGSTRUMPF, die berühmteste und mächtigste Figur der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Von einem selbstherrlichen König unterscheidet diese Heldin der Herzen natürlich alles und vor allem das Wichtigste: Pippi nutzt ihre Macht niemals aus! Pippi lebt alleine in der Villa Kunterbunt und – na, das muss man hier wirklich nicht weiter beschreiben, das weiß eigentlich jedes Kind. PIPPI LANGSTRUMPF, unser diesjähriges Familienstück im Großen Haus.

Mit VERRÜCKTES BLUT kommt ein Stück auf die Bühne, in dem einmal die Lehrerin und nicht der Schüler das unbekannte Wesen sein darf. Im Theatertext von Jens Hillje und Nuran Erpulat sieht eine Hauptschullehrerin rot und mit ihr sieben SchülerInnen. Die hatten sich für den Unterricht nämlich etwas anderes vorgenommen (etwa Chillen oder Pöbeln) als Szenen aus DIE RÄUBER und KABALE UND LIEBE nachzuspielen. Doch sie haben die Rechnung ohne Frau Kelich gemacht…

»Etwas Besseres als den Tod findest du überall«. DIE BREMER STADTMUSIKANTEN können ein Lied davon singen und rocken das Studio für Menschen ab ca. 8 Jahren zum Frühlingsbeginn 2013. Wie die aufs Altenteil abgeschobenen Tiere ein Haus besetzen und sich gegen Diebe zur Wehr setzen, haben die Brüder Grimm einst auf humorvolle und melancholische Weise beschrieben. Für das Studio werden wir die Band wieder zusammen bringen.

Schließlich kommen wir mit dem Stück HASENLAND der jungen Autorin Reihaneh Youzbashi Dizaji in die Klassenzimmer. Die drei Hauptfiguren Sara, Hamid und Ayhan sind drei Kinder, die einander wahrnehmen wollen, die im anderen nicht per se nur das Bekannte (oder Fremde) suchen, sondern einfach einen Freund, mit dem sie in die Zukunft schauen wollen.

Wir hoffen, dass unser Programm Lust auf nicht nur einen Besuch im jungen schauspiel am DT in Göttingen macht und dass es viele anregende Gespräche vor und nach unseren Aufführungen mit euch und Ihnen geben wird. Auch das theaterpädagogische Angebot hat in dieser Spielzeit viel Neues zu bieten - ausführliche Informationen dazu gibt es hier