

nach dem Roman von Valérie Dayre
Ab 11 Jahren und für Erwachsene
Sommerferien, brüllende Hitze, lästige Blechlawinen auf der Autobahn. Es ist Ende Juli und Lili und ihre Eltern sind auf dem Weg ans Meer. Da, endlich, eine Raststätte! Die Eltern sind froh, doch für Lili wird die Reisepause zur echten Katastrophe. Was für ein grässlicher Ort, wo es nach Benzin stinkt und Hunde von ihren Besitzern ausgesetzt werden! Auch Lili kommt sich plötzlich wie das fünfte Rad am Wagen vor - wollten ihre Eltern nicht mal alleine verreisen, sich wieder entdecken und neu verlieben? Und kaum hat sie sich umgedreht, ist ihr Auto auch schon weg und die Eltern sind spurlos verschwunden... Lili ist entsetzt. Die Leute auf der Raststätte sind zwar nett zu ihr, aber wie soll sie hier alleine zurechtkommen? Lili verstrickt sich in Lügen... und die Fantasie geht so gründlich mit ihr durch, dass man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht ... dabei vergehen Wochen.
Lili
Regisseur Joachim von Burchard inszeniert das Stück in der Uraufführung auf der Studiobühne des Deutschen Theaters in Göttingen als wütenden Lügenprotest einer Pubertierenden gegen die Erwachsenenwelt, mit all den Kompromissen und nie zu realisierenden Träumen. (...).
Dabei glänzt Philippi als mal altklug daherredende, dann wieder schüchtern auftretende Lili. Sie geht ganz auf in ihrer Rolle als pubertierendes, verunsichertes Mädchen. Nicht weniger überzeugend sind Beccard und Liebold als scheinbare Rabeneltern. Besonders Beccard als spießige, dann wieder verständnisvolle Mutter ist eine Klasse für sich. Exner, der auch die musikalische Leitung hat, sorgt mit seiner Rolle als musizierender Hund für einen Hauch Skurrilität und viele Lacher.
Alles hat gestimmt - Text, Rhythmus, Tempo, Bühnenbild, Darsteller. Das war wirklich bezaubernd. Besonders interessant fand ich, dass durch die Umsetzung auf der Bühne natürlich die Einseitigkeit und die Geschlossenheit des Tagebuchstils etwas verloren geht, damit natürlich auch die Aufrechterhaltung der Spannung und der Überaschungsmomente schwieriger wird. Aber zugleich bekam Lili auf der Bühne und durch die Interaktion mit scheinbar realen Gegenspielern als Figur mehr Tiefe. Es wurde mir noch deutlicher, dass es ein Entwicklungsroman ist. Dass Lili ein junger Mensch auf der Schwelle ist, ihre Mit- und Umwelt wird für sie fragwürdig; die Welt der Erwachsenen ist eintönig, desillusionierend. Und sie begehrt auf dagegen und lernt doch zugleich auch, damit umzugehen. Auf ihre Weise. Diese Dimension wurde im Spiel noch viel sichtbarer als im Buch. Ein sehr interessantes Wechselspiel zwischen Bühne und Buch, fand ich.
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