DER ZAUBERBERG

nach Thomas Mann

Uns friert nicht.

Drei Wochen will der angehende Hamburger Ingenieur Hans Castorp seinen Cousin im Lungensanatorium Berghof nahe Davos [1] besuchen. Doch hoch in den Schweizer Alpen, fernab jedweder Gesetzmäßigkeit und Norm des »Flachlands« ist die Welt aus der Zeit gefallen, hat sich eine Gesellschaft gebildet, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert – ein Ort außerhalb aller Orte. Zunehmend in den Bann gezogen von dieser durch Krankheit höchst vergeistigten und veredelten Kurgesellschaft, die im ständigen Wechsel zwischen Todesnähe und Lebensgier in müßig-sinnlichem Amüsement dahinlebt und stirbt, verlängert sich Castorps Aufenthalt auf dem märchenhaften Zauberberg um sieben Jahre. Vollkommen erliegt er der einspinnenden Kraft der Krankenwelt, verliert sich in diesem bizarren Lebenssurrogat bis ihn der Einbruch des Ersten Weltkriegs in die Schützengräben der Realität zurückholt.

Die eigenwillige Welt der Sanatorien der Jahrhundertwende faszinierte auch den Schriftsteller Thomas Mann als er 1912 seine lungenkranke Frau Katia [2] im Schweizer Kurort Davos besuchte. Er beschloss über das Treiben der Patienten ein Novelle zu schreiben, ein »humoristisches Gegenstück« zur gerade beendeten Erzählung DER TOD IN VENEDIG. Aus der kleinen Novelle wurde eines der monumentalsten Bücher des Autors und eines der großen Werke der Weltliteratur – ein, so Thomas Mann, »Dokument der europäischen Seelenverfassung und geistigen Problematik im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts«. Ein über 1000-seitiger Roman, der es wagt, die eigene Zeit in epische Zusammenhänge zu fassen, der als Epochenroman und, je nach Blickwinkel, ebenso als Bildungs-, Ideen- und Zeitroman gelesen werden kann. Als Zeitroman gleich im doppelten Sinn, da das Mysterium Zeit und ihre Aufhebung neben dem Problemkreis Krankheit und Gesundheit, Leben und Tod, anführendes Leitmotiv in diesem richtungsweisenden Roman der Klassischen Moderne ist.

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Michael von zur Mühlen studierte Musikwissenschaften, Philosophie und Musiktheaterregie in Berlin und war Stipendiat am Forum Neues Musiktheater der Staatsoper Stuttgart. Seit 2004 arbeitet er als Regisseur im Bereich zeitgenössischen Musiktheaters, Oper und Schauspiel u.a. an der Staatsoper Stuttgart, am MiR Gelsenkirchen, dem Theater Heidelberg, der Oper Leipzig, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, der Staatsoper Berlin sowie dem DNT Weimar.

[1] Der Luftkurort Davos liegt als höchstgelegene Stadt Europas auf 1560 Metern über dem Meer im Kanton Graubünden in der Schweiz.
[2] Eigentlich verdanken wir den ZAUBERBERG einer Fehldiagnose: Spätere Untersuchungen der Röntgenaufnahmen ergaben, dass Katia Mann gar nicht an Tuberkulose litt.

Inszenierung > Michael v. zur Mühlen Dramaturgie > Winnie Karnofka Ausstattung > Christoph Ernst Musik > Albrecht Ziepert
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© Deutsches Theater in Göttingen

Ensemble (Foto Thomas Müller) Lutz Gebhardt, Gerrit Neuhaus, Meinolf Steiner, Nadine Nollau; vorn Florian Eppinger (Foto Thomas Müller) Dominik Bliefert (Foto Thomas Müller)
Dominik Bliefert; hinten Gerd Zinck, Florian Eppinger (Foto Thomas Müller) Gerd Zinck, Gerrit Neuhaus; hinten Nadine Nollau (Foto Thomas Müller) Ensemble (Foto Thomas Müller)
Ensemble (Foto Thomas Müller) Florian Eppinger, Lutz Gebhardt, Meinolf Steiner, Nadine Nollau, Angelika Fornell (Foto Thomas Müller) Gerd Zinck, Meinolf Steiner, Nadine Nollau (Foto Thomas Müller)
Angelika Fornell, Marie-Kristien Heger; hinten Meinolf Steiner, Nadine Nollau (Foto Thomas Müller) Schahin Sajede, Ensemble (Foto Thomas Müller)
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DER ZAUBERBERG
DER ZAUBERBERG

"Aus dem Buch ist ein Theaterabend von gut dreieinhalb Stunden geworden (...). Das ist sicherlich auch ein (äußerlicher) Grund dafür, dass Regisseur von zur Mühlen nicht etwa die ganze Geschichte chronologisch nacherzählt. Ein Zuschauer, der den 'Zauberberg' kennt, hat dabei deutlich mehr Gewinn als der Unkundige. (...) Dennoch ist dieser 'Zauberberg' ein auf weite Strecken faszinierender, ja aufregender Theaterabend."

"Mindestens ebenso wichtig wie die Botschaften dieses Abends ist die Art und Weise ihrer Vermittlung. Und da leuchtet immer wieder der pure Spaß am Spiel durch: Sei es durch Meinolf Steiner mit seiner Loriot-Nummer, bei der er sich beim Klettern über die Stühle verheddert, sei es Angelika Fornell mit ihrer kehlvirtuosen Jodeleinlage und ihrem zart und eindringlich gesungenem Schubert-Lied, sei es Gerrit Neuhaus mit seinem temporeichen Selbsterschießungs-Solo oder Nadine Nollau mit ihrem animalisch femininen Haarmähnen-Song. Ein Solo, das unter die Haut geht, bietet Marie-Kristien Heger mit ihrer von Wagners 'Tristan'-Vorspiel untermalten Vorlesung über die Liebe: sprachlich wie darstellerisch von höchster Präzision, mündend in ein wildes Bad in braunem Matsch."

"Doch wer seine Kenntnis vom 'Zauberberg' mit überraschenden Blickwinkeln bereichern möchte und Geduld für einen Theaterabend von den zeitlichen Ausmaßen einer Händel-Oper mitbringt, dürfte seinen Spaß haben."

GT

"Die schauspielerische Leistung indessen bleibt sehr beachtlich. Zwischen allem Geschrei, Gepolter und aller bemühter Selbstdarstellung klingen immer wieder Unsicherheit, Verletzlichkeit, kurz: das Menschliche, durch."

"spannend inszeniert"

HNA

Termine

Ort: Großes Haus
23. Mai 2012, 19:45 Uhr bis ca. 23:25 Uhr Freier Verkauf - Karten
Zum letzten Mal
26. Juni 2012, 19:45 Uhr bis ca. 23:25 Uhr
Freier Verkauf - Karten

Veranstalter:

Deutsches Theater in Göttingen
Telefon: (05 51) 49 69 -0
Telefax: (05 51) 49 69 -82
Website: http://www.dt-goettingen.de/
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