16+ KASSANDRA - EIN MONOLOG

nach Christa Wolf

Ins Finstere. Ins Schlachthaus. Und allein.

Kassandra, allein und fern der Heimat, den eigenen Tod unausweichlich vor Augen, erinnert sich. Die unerhörte Seherin der Zukunft blickt zurück in die Vergangenheit und lässt ihr Leben in einem einzigen mächtigen Gedächtnisstrom noch einmal vorüberziehen. Bruchstückhaft tauchen Stationen der Katastrophe auf, die sie vorausgesehen hat, aber nicht verhindern konnte - des Untergangs Trojas. Die erinnerten Szenen mischen sich mit Reflexion und Selbstanklage. Und immer wieder kommen große Gefühle zum Ausdruck: Liebessehnen und Todesahnung, Angst, Wut und Schuld.
KASSANDRA ist die Geschichte einer Außenseiterin, einer an Konventionen und Regeln gefesselten Frau, in einem Staat, der sich zu einem ausgeprägten Patriarchat entwickelt. KASSANDRA erzählt die uralte Geschichte einer Frau, die zum Objekt gemacht wird. Sozial gebunden an die herrschende Oberschicht, emotional gefesselt an ihren Vater, an die Geschichte und Gegenwart des Königshauses, erlebt Kassandra einen schwierigen, langwierigen Prozess der Loslösung. Sie entscheidet sich für ihre Autonomie und damit für den Tod, indem sie ihrem geliebten Aineias nicht folgt.


Christa Wolf, neben Günter Grass wohl Deutschlands renommierteste Schriftstellerpersönlichkeit, wurde 2002 für ihr Lebenswerk mit dem erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis geehrt, weil sie sich, so die Jury, "mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt" habe. Doch Wolf war schon längst wegen ihrer tiefgründigen Schriften und mutigen Stellungnahmen eine Identifikationsfigur im "Osten" wie im "Westen" geworden. Mit ihrem die Dinge befragenden, reflektierenden Stil bringt sie ihre LeserInnen dazu, selbst über die Fragen nachzudenken, die sie an die moralischen und politischen Ereignisse stellt. Mit der Zeit dehnte Wolf ihre Kritik auf die technologischen und patriarchalischen Deformationen der heutigen Kultur aus, immer darauf bedacht, das menschliche – in ihren Werken meist weibliche – Subjekt gegen Instrumentalisierungen jeder Art zu verteidigen.

Inszenierung > Johannes Nehlsen Dramaturgie > Nicola Bongard / Anna Gerhards Ausstattung; Co-Regie > Christopher Weiß
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© Deutsches Theater in Göttingen

Imme Beccard (Foto: Dirk Opitz) Imme Beccard (Foto: Dirk Opitz) Imme Beccard (Foto: Dirk Opitz)
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Imme Beccard (Foto: Dirk Opitz)
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KASSANDRA > Imme Beccard

"Beccard spielt Kassandra mit Intensität. Sie zeigt die Klugheit der Frau, lässt Loyalität und die Ausweglosigkeit ihrer Lage deutlich werden. Sie zeigt Zorn, wenn sie den Vater sprechen lässt und erinnert sich immer wieder voll milder Liebe."

Göttinger Tageblatt

Veranstalter:

Deutsches Theater in Göttingen
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