Der Mann in ihr (DSE)

von Claire Dowie

Am Anfang ist es nur eine Ahnung. Die Haut kribbelt so seltsam. Auf den Zehen sprießen Haare. Die rechte Hand greift nach der linken Brust. Eine Allergie? Verfrühte Wechseljahre? Dann muß Helen der Wahrheit ins Gesicht sehen: Sie verwandelt sich. Nicht in einen Werwolf, sondern in einen Mann – was ähnlich katastrophale Auswirkungen hat. Zara oder Hugo Boss, das ist ab jetzt nicht mehr die Frage. Der Trieb entwickelt sich in Richtung Baumarkt. Schön wäre übrigens, wenn die Leute nicht immer so starren würden, schließlich kann Helen nichts dafür, daß ihr rechtes Bein weiblich, das linke männlich ist. Der Gang leidet, weiter nichts. Die Mutation schreitet voran, und Helen fühlt zunehmend bemitleidenswert. Fazit: Es macht keinen Spaß, ein Mann zu sein.

Inszenierung > Max Claessen Dramaturgie > Stefanie Jaksch Ausstattung > Chili Martina Seitz
Gaby Dey Gaby Dey Gaby Dey
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Der Mann in ihr

Helen > Gaby Dey

Sehr fraulich steht Helen auf der Bühne. Geradezu überweiblich (...). Gaby Dey spielt diese Frau, die versucht, mit der Verformung ihres Körpers zurecht zu kommen. Sie ist verstört, sie kämpft dagegen an und fügt sich doch. Rund 50 Minuten braucht die Verwandlung auf der Bühne, die keine vollständige ist. Natürlich blitzen Stereotype auf, wenn die männliche Helen breitbeinig dasteht und jedem Hintern hinterher schaut. Der Mann ist ein Tier, ewig auf der Jagd nach Sex. Doch Deys Spiel reduziert die Nähe zum Klischee, die im Stück angelegt ist, auf ein erträgliches Maß. Ihre Helen berührt.

Ausstatterin Chili Martina Seitz hat Helen mit viel Phantasie ausgestattet, die im Laufe der Mannwerdung deutlich nachlässt. Zauberhaft der Reifenrock und die Handschuhe zu beginn, später dann entzauberte Durchschnittskleidung. Ihr Bühnebild ist bestimmt von einer Balkenkonstruktion, die Raum andeutet.

Claessen, in seinem ersten Jahr als freier Regisseur, hat genau hingeschaut. Er hat einen kompakten Abend entworfen, in dem Schauspielerin Dey groß aufspielt. Das Premierenpublikum feierte begeistert die bemerkenswerte Vorstellung.

Göttinger Tageblatt

Veranstalter:

Deutsches Theater in Göttingen
Telefon: (05 51) 49 69 -0
Telefax: (05 51) 49 69 -82
Website: http://www.dt-goettingen.de/
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