Zorn (UA)

von Nino Haratischwili

Acht Menschen stehen an Wendepunkten ihres Lebens, acht Biographien berühren sich einen schicksalhaften Moment lang und sind fortan nicht mehr ohne einander denkbar. Es ist ein einziger Tag, an dem jeder von ihnen in eine Ausnahmesituation gerät, die ihm eine Entscheidung abfordert – die Wahrheit zu sagen oder sie anzunehmen, sich zum Leben oder zum Tod zu bekennen, endlich ganz stark oder endlich ganz schwach zu sein. In ZORN wird nicht der Aufstand geprobt, niemand geht auf die Barrikaden, keiner ruft die Revolution aus. Im eigenen, ganz kleinen Radius erproben die acht Figuren, wie es ist, sich nicht mehr abzufinden und einmal konsequent zu sein. Die Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili hat am DT in der vorletzten Spielzeit OLIVER TWIST inszeniert. Seitdem wurde sie für ihre Stücke mehrfach ausgezeichnet. Mit dem Auftragswerk ZORN und dem Schreibcontainer im Rahmen unseres Projekts STADT IN ZUKUNFT ist Nino Haratischwili im Februar und März gleich zweimal an unserem Haus vertreten. Zum Auftakt einer neuen Kooperation sind außerdem drei Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover zu Gast.

In Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover, mit Unterstützung des Fördervereins

Inszenierung > Felix Rothenhäusler Musikalische Leitung > Matthias Krieg Ausstattung > Lea Dietrich
Gerd Zinck, Julia Hansen, Meinolf Steiner, Florian Eppinger, Marie Bauer, Gaby Dey, Nora Decker Nora Decker, Marie Bauer, Gaby Dey, Julia Hansen Marie Bauer
Norman Grüß, Gerd Zinck, Nora Decker, Meinolf Steiner (liegend) Florian Eppinger, Meinolf Steiner, Norman Grüß
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Stückzettel ZORN Internet.pdf
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Zorn

Rafael > Meinolf Steiner Anton > Norman Grüß Adam > Florian Eppinger Celia > Gaby Dey Antonia > Marie Bauer Oskar > Gerd Zinck Rula > Nora Decker Martha > Julia Hansen

Regisseur Rothenhäusler hält sein Personal in Bewegung. Alle sind sehr oft auf der Bühne, manchmal sprechen zwei miteinander, meist ohne sich dabei anzusehen. Wer sich nicht austauscht, ist unterwegs. Die Leben laufen eben parallel. Mit seltsamer Distanziertheit gehen die Akteure mit sich und den anderen um, die Dramatik, die in den Beziehungen und Lebensgeschichten steckt, wird undeutlich wie durch eine Milchglasscheibe beobachtet. Ritzende Selbstverletzung wird ohne Messer gespielt, das Blut, das beim Verhör fließt, kommt aus der Flasche. (...) Es ist eine spezielle Art des Zorns, den Haratischwili beschreibt. Ein Zorn, der nicht blindwütig ausbricht, sondern Potenzial für Veränderung bringt. (...)

Ein Auftragswerk, also ein Stück, das unbekannt eingekauft wird, ein junger Regisseur und der Beginn einer Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover - neben fünf erfahrenen DT-Ensemblemitgliedern spielen die Schauspielstudenten Marie Bauer, Norman Grüß und Nora Decker: Die Verantwortlichen im DT haben viel gewagt. Gut, dass sich das Theater das leistet.

Göttinger Tageblatt

Haratischwili lässt acht Figuren in Monologen oder Doalogen zornig sein. Auf sich, auf den anderen, auf die Gesellschaft. Irgendwann begegnen sie sich, die Figuren, die Geschichten, der Zorn - auf der Bühne, die leer ist bis auf ein paar bunte Eimer, einen Papp-Schwan und eine Rampe. (...) Haratischwilis Sprache erinnert in ihrer Wut, in ihrer Direktheit und in der Unmöglichkeit ihrer Metaphern an Sarah Kane. Wenn Tony ihren Wünschen "die Pulsadren aufschneiden" möchte, hört man den "Schrei einer Narzisse" aus Kanes Stück "Gier". (...)
Am besten ist die Inszenierung des 28-jährigen Regisseurs Felix Rothenhäusler, wenn sie sich auf die Schauspieler verlässt. Wenn sie den Zuschauern auf die Pelle rücken, an der Bühnenrampe lauern. Dann ist es wie im Zug oder in der U-Bahn, wenn sich der Fremde so nah neben einen setzt, dass die Wut im Bauch hochkommt. "Du Mistkerl", sagt Celia irgendwann zu ihrem Mann Adam, und streichelt ihn dabei zärtlich. Diese Momente, in denen sich die Figuren mit ihren Widersprüchen offenbaren, sind die stärksten des Abends. Trotz ihrer schweren Themen ist die Handschrift spielerisch. Die Inszenierung kommt leicht daher, ist komisch. Und vielleicht auch nur so zu ertragen.

Frankfurter Rundschau

Regisseur Felix Rothenhäusler trägt der komplexen Anlage des Stückes Rechnung, inder er sie ebenso behutsam wie unbeirrbar an ihren Extrempunkt treibt. Nach und nach werden allerorten Verflechtungen zwischen den Charakteren sichtbar. Sie sind kein Netz, das sie auffängt, sondern Fesseln, die ins Fleisch schneiden.
Am Ende ist es einzig das junge Paar Anton und Tony, das Zorn auch als Kraft zur schaffenden Veränderung einzusetzen vermag und Hoffnung gibt. Norman Grüß und Marie Bauer verleihen ihren Rollen eine jugendliche Mischung aus Ungestüm und Tiefe, die sie nahbar macht. Sie lassen Gutes erwarten für die Kooperation der Hochschule für Musik und Theater Hannover mit dem DT, deren Auftakt ZORN bildet. Das Stück geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Es strotzt vor Leben, schroff und kompromisslos.

HNA

Veranstalter:

Deutsches Theater in Göttingen
Telefon: (05 51) 49 69 -0
Telefax: (05 51) 49 69 -82
Website: http://www.dt-goettingen.de/
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