DER ZERBROCHNE KRUG

von Heinrich von Kleist

In Kooperation mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Studiengang Schauspiel

Es wird sich alles finden.

In dem niederländischen Dorf Huisum ist ein Krug unter mysteriösen Umständen zu Bruch gegangen. Marthe Rull, die Eigentümerin des Kruges, beschuldigt den jungen Bauerssohn Ruprecht, bei einem nächtlichen Besuch im Zimmer ihrer Tochter Eve den Krug zerschlagen zu haben. Doch Ruprecht leugnet die Tat vehement. Dorfrichter Adam soll nun Licht in die Sache bringen und den Täter ausfindig machen.Gerichtstag in Huisum – für die Einwohner ein allseits beliebtes Ereignis, das nach den dorfeigenen Bräuchen vonstattenzugehen pflegt. Mit allerlei Präsenten für Richter Adam sowie der nötigen musikalischen Unterstützung durch den Huisumer Dorffunk nimmt die Gerichtsverhandlung wie üblich Fahrt auf.

Indes scheint Richter Adam heute ein wenig von der Rolle zu sein: Seine Perücke ist nicht aufzufinden, frische Verletzungen zieren Kopf und Gesicht. Darüber hinaus bringt seine Prozessführung zunehmend Unklarheit in die Frage, wer nun eigentlich den Krug zerbrach. Sehr zum Unmut von Gerichtsrat Walter, der just an diesem Tage aus Utrecht angereist ist, um zu prüfen, wie es um die Rechtspflege auf dem platten Land bestellt ist. Adams Verhalten lässt bei Walter allmählich den Verdacht entstehen, dem Dorfrichter sei an einer rückhaltlosen Aufklärung des Falles gar nicht gelegen. Doch je stärker Adam in Bedrängnis gerät, desto waghalsiger versucht er sich mit immer neuen abstrusen, oftmals gewitzten Erklärungen aus seiner unbequemen Lage heraus zu reden. Dabei verstrickt sich der Inhaber des höchsten Amts im Dorfe mit jeder weiteren Erklärung seiner selbst nur immer weiter in Widersprüche…

Die Regisseurin Antje Thoms, die am DT bereits in der vergangenen Spielzeit mit der Inszenierung von Tracy Letts‘ EINE FAMILIE ihr Talent für Komik unter Beweis stellte, inszeniert Kleists 1806 erschienenes Lustspiel als humorvolles und musikalisches Dorfspektakel, das nicht nur einen kritischen Blick auf das Schalten und Walten der Obrigkeit wirft, sondern auch das Verhalten ihrer Unterstützer, der Dorfgemeinschaft, unter die Lupe nimmt.



Antje Thoms, geboren 1976 in Stralsund, studierte Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen und arbeitete ab 1999 als Regieassistentin u.a. für Sebastian Nübling, Andreas Kriegenburg, Luk Perceval, Elias Perrig und Jossi Wieler. Seit 2003 ist sie freiberuflich als Regisseurin und Autorin tätig. Regelmäßige Inszenierungen u.a. für das Saarländische Staatstheater, das Stadttheater Bern, das DT in Göttingen, das Theater Winkelwiese Zürich und das Theater Ulm.

Inszenierung > Antje Thoms Bühnenbild > Florian Barth Kostüme > Katharina Meintke Musik > Fred Kerkmann Dramaturgie > Anna Gerhards
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© Deutsches Theater in Göttingen

Paul Wenning (Foto Isabel Winarsch) vorn Paula Hans, Paul Wenning; hinten Wojo van Brouwer, Andreas Jeßing, Nikolaus Kühn, Klaus Eickhoff, Fred Kerkmann, Gerd Peiser, Lars Koch (Foto Isabel Winarsch) Paul Wenning (Foto Isabel Winarsch)
Wojo van Brouwer, Nikolaus Kühn, Klaus Eickhoff, Gaby Dey, Gerd Peiser, Andreas Jeßing, Fred Kerkmann, Lars Koch (Foto Isabel Winarsch) Nikolaus Kühn, Klaus Eickhoff, Gaby Dey, Gerd Peiser, Andreas Jeßing, Lars Koch (Foto Isabel Winarsch) Paula Hans, Paul Wenning (Foto Isabel Winarsch)
Lars Koch, Paul Wenning, Gaby Dey, Paula Hans (Foto Isabel Winarsch) Wojo van Brouwer, Fred Kerkmann, Paul Wenning, Angelika Fornell, Lars Koch, Nikolaus Kühn, Gerd Peiser, Gaby Dey (Foto Isabel Winarsch)
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DER ZERBROCHNE KRUG
DER ZERBROCHNE KRUG
WALTER, Gerichtsrat > Andreas Jeßing ADAM, Dorfrichter > Paul Wenning LICHT, Schreiber > Wojo van Brouwer FRAU MARTHE RULL > Gaby Dey EVE RULL, ihre Tochter > Paula Hans VEIT TÜMPEL, ein Bauer > Gerd Peiser RUPRECHT TÜMPEL, sein Sohn > Lars Koch FRAU BRIGITTE > Angelika Fornell HANS FRANZ FLANZ, Dorffunk > Nikolaus Kühn STRANZ, Dorffunk > Fred Kerkmann DÖRFLING, Ältester > Klaus Eickhoff

"Ein turbulenter, sehr unterhaltsamer Abend."

"(...) fulminat, amüsant, (...) umjubelte Inszenierung"

"Eine hochaktuelle Frage: Was wir von den Repräsentanten unserer Rechts- und Staatsordnung erwarten (dürfen), wird hier auf vergnügliche Weise verhandelt."

HNA

"Thoms hat aber de grundsätzliche kleistsche Struktur belassen, die die Rolle des Dorfrichters zu einer Paraderolle für viele der ganz Großen in der Theatergeschichte machte. In Göttingen füllt sie Paul Wenning mit saftigem Leid und Leben. Sein Adam ist jämmerlich, hinterhältig, bauernschlau, lustvoll, deftig, verschlagen, kurz: eine pralle, lebendige Figur, Wennings Darstellung ein Glanzlicht."

"Als das DT-Leitungsteam das Kleist-Stück auf den Spielplan setzte, war an eine Affäre Wulff noch nicht zu denken. Fast möchte man dem Intendanten Mark Zurmühle und seinen Dramaturgen prophetische Fähigkeiten zusprechen, die Premiere so punktgenau zu terminieren. (...) Sechs bis acht Wochen probt ein Ensemble eine solche Inszenierung. Zeit genug, den Stoff überdeutlich mit fragwürdigen Verbindungen zur Tagespolitik zu spicken. Doch das Regieteam hat der Versuchung widerstanden. Hätte es den Stroff noch ein wenig gestrafft, wäre der Abend wohl noch erfolgreicher geworden, als er es eh schon ist."

GT

"Auf den ersten Blick ein Lustspiel des 19. Jahrhunderts schafft die Göttinger Inszenierung den Bezug zur Jetzt-Zeit. Jingles und Werbeeinblendungen machen deutlich, dass der Krug als Vorläufer der Gerichtshows erhalten kann. Die Idylle Huisumer Art hat Schunkelqualität. Der Spaßfaktor für Dorfrichter Adam scheint unbegrenzt. Das Publikum antwortet mit Szenenapplaus."

"Paul Wenning ist die zentrale Figur der Göttinger Aufführung. Er arbeitet alle Facetten einer selbstgefälligen Lokalgröße heraus. Mal schmeicheln, mal drohen, mal betteln; Paul Wenning vermittelt es glaubhaft."

Harzkurier

Veranstalter:

Deutsches Theater in Göttingen
Telefon: (05 51) 49 69 -0
Telefax: (05 51) 49 69 -82
Website: http://www.dt-goettingen.de/
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