

von Joe Masteroff, John Kander und Fred Ebb
Teach me tiger
Am Nollendorfplatz, im Berlin der 30er Jahre, saugt der englisch-amerikanische Schriftsteller Christopher Isherwood alles in sich auf, was die pulsierende Metropole zu bieten hat. Die Bohème trifft sich in den Kneipen und Clubs, vertieft sich in intellektuelle Gespräche, gibt sich dem dekadenten Nachtleben hin und versucht, die nahende politische Bedrohung entweder zu ignorieren oder wegzureden. Mit wachem Auge erkennt und beschreibt Isherwood das Leben in Berlin vor der aufziehenden Katastrophe und erzählt zwei wunderschöne Liebesgeschichten: Der mittellose junge amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw reist nach Berlin und verliebt sich in die exzentrische Tänzerin Sally Bowles, den Star des Kit-Kat-Clubs, mit der er schon bald in ein gemeinsames Pensionszimmer zieht. Auch die Pensionsinhaberin Fräulein Schneider trifft Amors Pfeil. Sie knüpft zarte Bande zu dem jüdischen Obstverkäufer Herrn Schultz. Aber am nicht mehr aufzuhaltenden Nationalsozialismus und einer fehlenden gemeinsamen Zukunft zerbrechen beide Beziehungen.
Genau wie sein Hauptdarsteller Bradshaw flieht auch Christopher Isherwood 1939 aus Naziberlin zurück nach Amerika und schreibt seine Berliner Eindrücke in den Romanen MR. NORRIS STEIGT UM und LEB WOHL BERLIN nieder. Auf diesen autobiographischen Erfahrungen basiert das 1951 von John van Druten verfasste Theaterstück ICH BIN EINE KAMERA, welches letztendlich die Grundlage für das 1966 entstandene Broadwaymusical CABARET bildete. Die an die Revue der 20er Jahre und erinnernde Musik mit Elementen aus Jazz und Ragtime und eingängige Songs wie Willkommen, bienvenue, welcome..., Cabaret und Heirat machten es zu einem der erfolgreichsten Musicals weltweit.
Premiere: 11. Dezember 2010
„(…) Eine grandiose Bühne. Und hier agiert ein herausragendes Ensemble singstarker Schauspieler – ganz in der DT-Tradition. Katharina Heyer spielt die Nachtclubsängerin Sally Bowles mit einer zauberhaften Mischung aus Naivität und Durchtriebenheit. Sie ist temperamentvoll und entspannt, verrucht und verletzlich, getrieben und selbstbewusst. Philip Hagmann hat als Clifford Bradshaw die einzige Sprechrolle in dieser von Musik und großen Hits geprägten Produktion. Er bringt viel Bodenhaftigkeit ein, die der Inszenierung gut tut. Karl Miller ist ein glamouröser Conférencier mit enormer Präsenz (…). Dass Andrea Strube und Ronny Thalmeyer singen können, haben sie in zahlreichen DT-Inszenierungen bereits gezeigt. Als Vermieterin Fräulein Müller (sic!) und Obsthändler Herr Schultz sind sie in ihrer Verliebtheit berührend, in ihrer Schamhaftigkeit zum in die Arme nehmen, in ihrem Scheitern erschütternd. Wojo van Brouwer bringt als aufstrebender Nationalsozialist auf erstaunliche Weise zusammen, was nicht zusammen gehört: Er ist sympathisch, hilfsbereit, aber konsequent antisemitisch und stramm national. Ein starker Schauspieler mit starker Stimme. Dieses Sextett trägt den Abend glänzend. Unterstützt wird es dabei von einem sehr gut aufgelegten Orchester unter der Leitung von Hans Kaul.“
„Für die glamouröse Aufführung gab es lang anhaltenden Beifall und Szenenapplaus. (…) Eingerahmt von überzeugend gesungenen und ansprechend choreografierten jazzigen Musiknummern, gespielt von der überzeugenden Liveband unter Leitung von Hans Kaul, ist dem DT mit CABARET eine große Musical-Nummer gelungen.“
„Mark Zurmühle inszeniert CABARET als buntes glitzerndes Spektakel, in dem sich die Abgründe erst allmählich zeigen. (…) Es gelingt dem Ensemble ausgezeichnet, die Diskrepanz zwischen Glanz und Tristesse darzustellen.“