

von John von Düffel
Tor! Tor! Tor!
Sommer 1974. Fußball-Weltmeisterschaft. Im Fernsehen läuft das Vorrundenspiel der BRD gegen Chile. Gar nichts, vor allem beim weiblichen Geschlecht, läuft dagegen bei Künstler Hans-Helge, der zur Empörung von Feministin Heidrun (»Wir müssen zurück zur Frauen-WG!«) eine Aktzeichnung von der dauerzugedröhnten und höchst attraktiven Kunststudentin Sabine angefertigt hat. Weniger für das Spiel als für die politische Situation in Chile interessiert sich Kfz-Mechaniker und DKP-Mitglied Carlo, der darauf hofft, dass seine Genossen im Stadion ein Transparent mit der Aufschrift »Stadion Berlin: Fußball. Stadion Chile: Folter!« fernsehgerecht platzieren können. Mehr noch aber interessiert er sich dafür, dass ihm der fußballverrückte Jochen, der soeben sein Medizinstudium
beendet hat, ein paar »Pillen« besorgt. Und eigentlich sollte ja heute auch noch Plenum sein.
In seinem neuesten Stück reflektiert der gebürtige Göttinger Autor John von Düffel drei Jahrzehnte bundesrepublikanischer Geschichte im Spiegel dreier Fußball-Weltmeisterschaften (1974, 1990, 2006). In drei Stationen, von den frühen 70er Jahren über die Zeit der Wiedervereinigung bis hin ins 21. Jahrhundert, erleben wir die unterschiedlichen Lebenswege der vom Autor mit großer
Liebenswürdigkeit gezeichneten WG-Bewohner und sehen, was geblieben ist von den ideologischen Aufbrüchen der 68er-Generation auf ihrem Weg in die gesellschaftliche Mitte.
Erich Sidler inszenierte nach seinem Regiestudium und seiner Assistenzzeit am Staatsschauspiel Hannover unter anderem am Schauspiel Essen, Nationaltheater Mannheim, Maxim Gorki Theater Berlin, Thalia Theater Hamburg, Theater Basel, Staatstheater Saarbrücken und Staatstheater Stuttgart, wo er unter Friedrich Schirmer Hausregisseur war. Seit 2007 ist Erich Sidler Leiter der Sparte Schauspiel am Stadttheater Bern. Vor allem mit seinen zahlreichen Inszenierungen von Ur- und Erstaufführungen konnte er große Erfolge verzeichnen. So wurden Inszenierungen von ihm zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater in Berlin, zu den Theatertagen Mühlheim und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.
Premiere: 29. September 2012
"Dieses Stück ist ein Volltreffer"
"(...) nach der mit langem Applaus aufgenommenen Premiere am Deutschen Theater dürfte es (...) in Göttingen zum Publikumsrenner werden. (...) Der Schweizer Erich Sidler inszeniert das Stück ohne Kürzungen in fast drei Stunden und mit viel Liebe zum Detail."
"Paul Wenning als Macho Jochen und Gaby Dey als linksalternative Spießerin Heidrun sind grandios, aber 'Alle Sechzehn Jahre im Sommer' ist ein wunderbares Ensemble-Stück."
"Komisch und traurig. Unbedingt ansehen."
"Regisseur Erich Sidler ist es gelungen, kaum ein Klischee der jeweiligen Zeit auszulassen und doch zu vermeiden, dass Düffels Fußballsommer zur Klamotte verkommt. Ein unterhaltsamer Durchlauf der politischen Diskussionen und gesellschaftlichen Sitten im Wandel der Zeit."
"'Alle 16 Jahre im Sommer' ist ein flotter Spaßmacher, der beim Premierenpublikum bestens ankam und das Zeug zum Publikumsliebling hat.(...) Eine begeisternde Zeitreise - nicht nur für Fußballfans."
"Regisseur Erich Sidler hat bei seiner Inszenierung auf kleinste Details geachtet und das Publikum mitgenommen- auf eine Reise durch das Leben der Protagonisten aber auch bei manchem auf eine Reise in die eigene Vergangenheit."
"Es sind tragische Entwicklungen, die die 6 Hauptpersonen durchmachen- plus dem etwas skurrilen WG-Gast Lambert, dessen Dasein eigentlich darin besteht seine alte kranke Mutter zu pflegen, die dann leider aus Unachtsamkeit in der Badewanne ertrinkt- Trotzdem hat das Stück immer wieder brüllend komische Momente, clever gesetzte Pointen und Gags und punktet immer dann mit einer humoristischen Auflösung, wenn die Situation in Hoffnungslosigkeit zu versinken tut –Spürbar folgt das Publikum dem Parforce Ritt durch drei Jahrzehnte, vom politischen WG-Enthusiasmus in die Bürgerlichkeit."