

von Dea Loher
DAS HIER IST NICHT SCHÖN.
Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2013!
Im Zentrum von Dea Lohers neuem Stück stehen zwei Ehepaare aus der gehobenen Mittelschicht. Eddie und Cleo sind Besitzer einer Brauerei am Schwarzen See. Johnny dagegen ist erfolgreicher Bankdirektor und zieht im Auftrag seines Arbeitsgebers alle drei bis vier Jahre von Kleinstadt zu Kleinstadt, um eine kriselnde Filiale zu sanieren oder abzuwickeln. Immer dabei sind seine herzkranke Ehefrau Else und Tochter Nina.Beide Paare lebten einst für ihre jeweiligen Ziele, denen sie die eigenen Träume und Sehnsüchte bedingungslos unterordneten. Während Eddie und Cleo hart dafür arbeiteten, die Brauerei im Familienbesitz zu halten, um sie eines Tages an Sohn Fritz übergeben zu können, träumte Johnny davon, irgendwann eine Filiale in der Großstadt zu übernehmen. Eines Tages kreuzten sich die Wege der beiden Familien. Aus einem Antrittsbesuch entstand eine lockere Freundschaft zwischen ihnen. Die beiden pubertierenden Kinder allerdings verliebten sich ineinander und zogen sich – weitgehend unbemerkt von den Eltern – in ihre eigene Welt zurück bis sie eines Tages im Schwarzen See gemeinsam den Tod suchten. Jetzt, vier Jahre später, treffen sich die Eltern das erste Mal wieder im Haus von Eddie und Cleo mit Blick auf den See. Die Frage nach dem Warum steht nach wie vor unbeantwortet zwischen ihnen. So kreisen die Vier umeinander und in sich. Die Zeit scheint stehen zu bleiben und je tiefer sie nach den möglichen Ursachen des Unfassbaren schürfen, desto stärker wird offenbar, wie wenig sie über sich und den jeweils anderen wissen.
Wie in ihren früheren Stücken hat Dea Loher auch in AM SCHWARZEN SEE ein beklemmendes gesellschaftliches Portrait verfasst. Mit großer poetischer Kraft spürt sie darin den zentralen Fragen unserer Zeit nach: Wie sieht ein glückliches Lebens aus? Welches (Lebens-)Opfer sind wir bereit zu bringen, um unsere Ziele zu erreichen? Mit großer Empathie und Musikalität setzt der deutsch-polnische Regisseur Wojtek Klemm die verzweifelte Suche nach dem Warum der vom Leben gebeutelten Figuren in Szene.
Dea Loher wurde 1964 in Traunstein geboren. Sie studierte Philosophie und Germanistik in München und lebt heute in Berlin. Schon ihr zweites Stück TÄTOWIERUNG, setzte sich im Repertoire durch. Dea Lohers Dramen sind in über 15 Sprachen übersetzt und werden in aller Welt gespielt. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem 2006 den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg: »Wer sich mit ihren Stücken beschäftigt, ist gezwungen, auf die handelsüblichen Etiketten zu verzichten. Vermutlich wird sich die Theaterwelt irgendwann darauf einigen, das Werk Dea Lohers schlicht ›loheresk‹ zu nennen, und damit den ultimativen Begriff gefunden haben für die außerordentliche Intelligenz, die Sprachmacht und emotionale Intensität der Stücke dieser Schriftstellerin.« (Uwe Wittstock in der Laudatio)
Premiere: 15. Dezember 2012
„große Regiearbeit“
„beeindruckendes Schauspiel“
„Die vier Schauspieler bringen das Stück enorm präsent auf die Bühne, keine Sekunde lang lässt die Anspannung der Charaktere nach“
„Überzeugend (…) die Regie-Idee, die Suche der Figuren nach Halt in einer permanenten Bewegungschoreografie (Efrat Stempler) umzusetzen: Das Leben ist ein Tanz der Verzweiflung“
„Dieses Stück ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Diese Katastrophe kann überall geschehen – und die Frage stellt sich automatisch: „Was ist, wenn mir so etwas passiert?“ Das ist einer der Gründe, warum dieses atemlose Stück niemanden unberührt entlässt. Das ist Theater, das etwas zu sagen hat.“
Wojtek Klemm inszeniert das wortgewaltige Drama um zwei Ehepaare sehr körperlich und bedrückend. [...] Diese Metaphern machen das Stück keineswegs platt oder eindimensional, sondern schaffen durch ihre Eindringlichkeit, dass das fortwährend dargestellte menschliche Versagen übertragbar und allgemeiner wird, die Beklemmung wächst. [...] Dieses Konzept gelingt.
Bei Dea Loher allerdings findet man Anspielungsreichtum, Verweisdichte und Sprachsuggestion in einem Maß, das bisweilen vergessen lässt, dass diese Idee nicht einmalig ist. [...] Wojtek Klemms Inszenierung, [...] sucht nach einer Sprache für das, was jenseits der Sprache passiert, und findet sie in der Bewegung, im Tanz der Darsteller. Vom Schmuseblues bis zur Ekstase zeigen Else und Johnny sowie Cleo und Eddie, was sie nicht sagen können und eigentlich auch nicht sagen wollen.
"Doch jenseits dessen tut der Regisseur das Richtige: Er läst der Sprache Dea Lohers den Vorrang, ihren Endlosschleifen, ihren schmerzhaftversagenden Dialogen und Halbsätzen, ihrem traumatischen Textgefüge."
"(...) 'Wir waren allein, allein zu viert.' Und bleiben es. Die Körpersprache, die, anders als nach Kriegenburgs Uraufführung vielfach beklagt, die gesprochene Sprache nie in den Hintergrund drängt, unterstreicht das. Halt suchend umkreisen sich die Figuren, lehnen sich gegeneinander, tanzen eng umschlungen, wie träumend. Doch es ist ein Alptraum und der Tanz eher ein Ringkampf."
| 7. Juni 2013, 19:45 Uhr bis ca. 21:20 Uhr | Freier Verkauf - Karten |