

von Heinrich von Kleist
Der Graf Wetter vom Strahl wird vom Waffenschmied Friedeborn aus Heilbronn vor einem Femegericht angeklagt, dessen Tochter verhext und verführt zu haben. Als Käthchen den Ritter das erste Mal erblickte, warf sie sich vor ihm auf den Boden und als er aufs Pferd stieg, stürzte sie sich aus dem Fenster.
Sechs Wochen lag sie mit gebrochenen Knochen im Fieber, dann stand sie auf und verschwand ohne ein Wort und suchte ihren Ritter solange bis sie endlich wieder vor ihm steht. Diesem erscheint Käthchens traumwandlerische Sicherheit fremd und ungewohnt, so dass er sie schließlich zurückschickt.
Dem Vater ist das alles unheimlich, so dass er den Grafen vor das Femegericht zerrt, dass Wetter vom Strahl von seiner Unschuld zu überzeugen – nicht zuletzt durch das scharfe Kreuzverhör, in das er das junge Mädchen nimmt. Verzaubert ist er hingegen selbst.
Für sich bekennt er: »Was soll ich tun, mein Herz, was ist zu lassen?« Das unbedingte Einssein mit sich selbst, das Käthchen zu eigen ist, lässt sich nicht in der Welt des Menschen und seiner Logik begründen. Die Wahrheit liegt im Traum. Und so gilt es diesen wahr zu machen: Feuerprobe für den Traum – und Feuerprobe für die Wirklichkeit.
Premiere: 17. März 2007
"Kurzszene folgt auf Kurzszene in dem zu einem langen Einakter zusammengeschnurrten, fast zweihundert Jahre alten Drama, das im schnellen Wandel immer seine atemlose Spannung behält.
Neben- und Hinterbühne und schließlich der prachtvolle Zuschauerraum aus rotem Samt und Gold werden zur Bühne wie im Strudel eines farbenprächtigen Traums. (...) Mit großer Spielfreude und in rasantem Tempo nutzen die Schauspieler die räumlichen Möglichkeiten der vielen Bühnen zwischen kaum fußbreiter Enge und ausufernder Weite.
Allen voran Hans-Caspar Gattiker als zunächst unwilliger Liebhaber zwischen zwei extrem verschiedenen Frauen. Die Akteure ziehen den Betrachter hinein in den Sog der sich immer mehr beschleunigenden Handlung. (...) Die Bühne als Ort des Traums und der Fantasie: ein hinreißender Theaterabend."
"Der Intendant des Deutschen Theaters in Göttingen, Mark Zurmühle, inszeniert ein hochspannendes Spektakel um Liebe und Verwirrung, Vorbestimmung und Kampf sowie um den ewigen Streit zwischen Vernunft und Gefühl. (…)
Valerie Oberhof spielt [das Käthchen] mit einer nach innen gerichteten Sicherheit, die Finger immer ein wenig zitternd, als ob ihr die vernunftbegabte Welt Angst mache. Doch wenn die Tochter des Waffenschmiedes im weißen Kleidchen, von Schnüren gehalten, zum Himmel fliegt und ihr der junge Graf auf der Leiter nachsteigt, um ihren schwebenden Fuß zu berühren, fängt die Liebe an und höret nimmer mehr auf.
Hans-Caspar Gattiker als Graf vom Strahl spielt einen jungen Heißsporn, der durch Kämpfe und Tumulte zu seinem eigenen Gefühl vordringt. – Ein verzaubernder Abend mitten im Bauch der Theatermaschinerie und eine rasante Ensembleleistung."