12+ A TRUE LOVESTORY (UA)

frei nach einem Internet-Blog

Das ist gerade irgendwie alles so real...lol

Er nennt sich Train Man, als er den Teilnehmern eines Internetforums zum ersten Mal von Hermes erzählt. Er hat sie in der U-Bahn kennengelernt, wo er sie vor dem Übergriff eines Betrunkenen bewahren konnte. Als sie ihm daraufhin zwei kostbare Teetassen als Dankeschön schickt, ist Train Man wie verzaubert - und völlig hilflos. Mit Computerspielen und Comics kennt er sich aus, aber mit Mädchen? Doch seine Chatfreunde stehen ihm bei, beraten, fiebern mit, feuern ihn an. Schritt für Schritt nähert sich Train Man seinem Ziel - und wird zum Hoffnungsträger für eine ganze Generation.
Die Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Auf der einen Seite die selbstsichere Schöne als Solistin, auf der anderen der ungeschickte Einzelgänger, hinter dem aber eine enthusiastische Gemeinde von Gleichgesinnten steht. Jeden Schritt, den er macht, jede Regung, die er dem Forum anvertraut, kommentieren sie, sie loben und beschimpfen ihn, richten ihn wieder auf, wenn er geknickt ist, applaudieren, wenn er vorankommt – als ginge es um ihre eigene verrückte Liebesaffäre.

www.atruelovestory2010.wordpress.com



Premiere: 8. Mai 2010

Inszenierung > Joachim von Burchard Musikalische Leitung > Jan Exner Dramaturgie > Nicola Bongard Ausstattung > Jeannine Simon
Imme Beccard, Andreas Jeßing, Gerrit Neuhaus (Foto: Isabel Winarsch) Gerrit Neuhaus (Foto: Isabel Winarsch) Imme Beccard, Gerrit Neuhaus (Foto: Isabel Winarsch)
Imme Beccard (Foto: Isabel Winarsch) Dominik Bliefert, Jan Exner (Foto: Isabel Winarsch) Imme Beccard, Gerrit Neuhaus, Dominik Bliefert (Foto: Isabel Winarsch)
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Stueckzettel_A-TRUE-LOVESTORY
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Die Charaktere könnten direkt einem Comic entsprungen sein, Train Man (Gerrit Neuhaus) gleich doppelt. Er vollzieht eine amüsante Metamorphose vom unerfahrenen, schüchternen Single mit grauenhafter Frisur und furchtbar dicken Brillengläsern zum Dandy mit immer nocn unsäglichen Haaren und Glamour-Look. Hermes (Imme Beccard) entspricht in pastellfarbener, blütengeschmückter Seide dem japanischen Frauenklischee.

Und dann sind da noch die Chatfreunde, wie Einsiedler leben sie im Dunkeln fürs Internet: Der Senior-Single (eine trinkende Udo-Lindenberg-Persiflage, schön schnodderig gespielt von Andreas Jeßing) hat immer einen weisen Spruch auf den wulstigen Lippen. Dominik Bliefert überzeugt als nervöser, Wassereis essender Kostümpunk, Jan Exner sorgt als Waffenhändler lautstark für Ordnung und Anna-Katharina Philippi singt Hits von Tokyo Hotel und mimt die niedlich-romantische Katzenfrau.

Die rosarote Bühnenausstattung lässt bereits vermuten, dass der Theaterabend nicht ohne eine gehörige Portion Kitsch auskommen wird. Aber wer will das schon bein einem Stück über Helden, Liebe, Glück und Einsamkeit missen.

Göttinger Tageblatt
Die gesamte Geschichte, die auf einem realen japanischen Blog basiert, ist vor einem sparsamen, aber umso fantasievolleren Bühnenbild inszeniert worden. Alle Charaktere agieren gemeinsam in einer virtuellen Wirklichkeit - da wird schon mal ein Pizzakarton zum imaginären Laptop umfunktioniert. Die eigentlich so bemitleidenswerten Figuren werden von den Schauspielern so liebenswert und erfrischend dargestellt, dass man aus vollem Herzen mit ihnen allen lacht und leidet - und im Anschluss ganz beschwingt den Heimweg antritt.
AUGUSTA