

von Sibylle Berg
Eine Produktion des Jugendclubs
Frau Gott ist frustriert: Sie würde so gerne wieder eine Welt voller Menschen erschaffen. Doch die sind ausgestorben. Seit die Tiere die Welt regieren, ist Frau Gott arbeitslos. Genau wie ihre gelangweilte Kollegin Frau Tod. Einzige Einnahmequelle ist das Produzieren von Fernsehshows, die sich die Tiere zur Unterhaltung bestellen. Heute auf dem Programm – Helges Leben. Ein ganz normales Menschenleben, abgespult im Zeitraffer. Die Tiere – ein Tapir mit seiner Frau Reh und Kind Bambi – staunen jedoch nicht schlecht: Diese instinktgesteuerten Wesen sollen tatsächlich mal die Welt regiert haben? Hin- und hergerissen zwischen Ekel, Langeweile und Mitleid betrachten sie Helge, der – begleitet von lästigen Ängsten – mehr Tiefen als Höhen des Lebens durchmacht und dabei immer auf der Suche nach Erfüllung ist. Helge scheitert am fehlenden Mut zu Entscheidungen und so wartet er auf den Höhepunkt seines Lebens, bis er ein Greis ist. Soll das etwa schon alles gewesen sein?
„Helges Leben“ ist schrill und böse, vor allem aber eine reichhaltige Spielvorlage für 15 Jugendliche, die Sybille Bergs grotesk überdrehte Zukunftsvision mit viel Energie und gesunder Respektlosigkeit zum Leben erwecken.
Spielleitung Mirko Schombert; mit Kathrin Benstem, Luba Bolshukhina, Dunja Bruch, Noemi Dolezal, Neele Engelmann, Jasmin Grube, Lena-Marie Hämmerl, Ann Karneboge, Sina Kessel, Britta Nienke, Ania Pachura, Bene Reidenbach, Nadiah Riebensahm, Ole Siebrecht, Lena-Marie SteingräberPremiere: 5. Juni 2010
Die 15 Jugendlichen setzen sich unter Leitung von Mirko Schombert schonungslos mit der Vergänglichkeit des Lebens auseinander. Ein Leben, das eigentlich nur aus Warten besteht: Warten aufs Erwachsenwerden. Warten auf die große Liebe. Warten, dass endlich etwas Aufregendes passiert und am Ende die bittere Erkenntnis, dass man nicht einfach auf Neustart drücken kann, wenn Sehnsüchte und Wünsche nicht in Erfüllung gegangen sind, wenn der Tod sich bedient.
Es gibt auch keine Escape- Taste gegen die Angst. Und das Leben besteht zweifellos aus Angst. Helges Angst kommt im Gewand von drei magentafarbenen Perücken auf die Bühne (Dunja bruch, Noemi Dolezal und Britta Nienke ergänzen sich fabelhaft). Und sie klebt an Helge (ein überzeugend verhuschter Ole Siebrecht) wie der kalte Schweiß an den Fingern.
"Helges Leben" (...) ist ernüchternd, aber auch witzig und grotesk. Lachen war schon immer ein gutes Mittel gegen die Angst.