
von Gertrud Pigor. Frei nach einem Bilderbuch von Hiawyn Oram und Tony Ross
Das weiß ich selber!
Zweiter sein. Die zweite Prinzessin kennt dieses Gefühl genau. Ihr ist es – ganz wörtlich – in die Wiege gelegt. Ihre größere Schwester, die erste Prinzessin: das ist eigentlich die Prinzessin. Die erste ist es, die prima Prinzessin, die Unterricht in herrschaftlichem Winken bekommt. Der die Untertanen zujubeln, an ihrem Geburtstag. Die mit Geschenken überhäuft wird ... Die zweite dagegen? Sie hat sich im Verborgenen zu halten, muss die abgelegten Kleider ihrer Schwester auftragen; und Bescheidenheit lernen. Ihre kindliche Phantasie will es anders. Und hier beginnt das Theaterstück DIE ZWEITE PRINZESSIN. Trotzig sinnt die ewige Zweite, allein im Schloss zurückgelassen, auf Abhilfe. Ihr einziger Gesprächspartner ist das quietschrote Prinzessinnenradio, das eigentlich der älteren Schwester gehört, staatstragenden Unsinn von sich gibt und schauderhaft belehrend sein kann. Wie wird man eine ältere Schwester los? Da fällt der Zweiten schon was ein. Man könnte sie verheiraten; der böse Wolf könnte sie fressen; oder man könnte sie in eine Zaubersuppe werfen und schrumpfen ... Soll ich sie hineinwerfen? Soll ich? fragt die zweite Prinzessin ins Publikum ...
Die Autorin Gertrud Pigor studierte Bildende Kunst, Kunstpädagogik und Philosophie an der Hochschule für Bildende Künste und der Universität Braunschweig. Seit zehn Jahren ist sie freischaffende Autorin und Regisseurin mit dem Schwerpunkt im Bereich Kinder- und Jugendtheater. Gertrud Pigor schrieb außerdem u.a. die Stücke EIN SCHAF FÜRS LEBEN, ANTON: DAS MÄUSEMUSICAL, ZWEI MONSTER.
Premiere: 3. Oktober 2010