

von Bernd Lange und Hans-Christian Schmid nach dem gleichnamigen Film
Es wird vorübergehen.
Michaela Klingler verlässt ihr bürgerliches und streng religiöses Elternhaus im Unterfränkischen, um ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Im liberalen und modernen Tübingen beginnt für sie ein neues, glückverheißendes Leben: Schnell freundet sich die an Epilepsie leidende junge Frau im Wohnheim mit Hanna - einer ehemaligen Klassenkameradin - an, begegnet auf einer Party Stefan, der ersten große Liebe ihres Lebens und bekommt zunächst ihre epileptischen Anfälle in den Griff. Doch das anfängliche Glück trübt sich schon bald, da Michaela zerrissen ist zwischen dem konservativen Elternhaus und der Weltoffenheit, mit der sie in Tübingen in Berührung kommt. Zunehmend glaubt sie, Stimmen zu hören und wird von Wahnvorstellungen heimgesucht. Verzweifelt bittet sie den Pfarrer ihrer Herkunftsgemeinde und dessen jüngeren Kollegen um Hilfe. Der junge Pfarrer diagnostiziert, dass Michaela von einem Dämon besessen ist und nimmt einen Exorzismus mit ihr vor. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf…
Das Drama REQUIEM basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich gegen Mitte der 70er Jahre im unterfränkischen Klingenberg zugetragen hat. Nach einem durch zwei Priester vorgenommenen Exorzismus kam die 23-jährige Pädagogikstudentin Anneliese Michel damals ums Leben. Der Filmemacher Hans-Christian Schmid und der Drehbuchautor Bernd Lange nähern sich dem authentischen Stoff weder dokumentarisch noch begreifen sie die historische Begebenheit als Grundlage für einen wirkungsvollen Horror-Film. Stattdessen verdichten Schmidt und Lange den Stoff zu einem subtilen psychologischen Kammerspiel von emotionaler Wucht, das den Leidensweg einer jungen Frau sensibel beschreibt, die zerrissen zwischen Familie, Glaube, Krankheit und der Suche nach dem eigenen Leben ist.
Premiere: 19. Mai 2008
Die Steigerung von Angst in Verzweiflung und Obsession, spielt Hostettler ebenso glaubhaft wie Florian Eppinger den besorgten Vater. Eindrucksvoll ist die Szene, in der der Wahn erstmals deutlich zu Tage tritt: Während Michaela zusammengebrochen auf dem Sofa liegt, verdunkelt sich die Bühne, Stimmen und Schritte flirren durch den Raum, die Zuschauer werden kurz ebenso orientierungslos wie die Protagonistin.
Das Stück kennt keinen Schuldigen. Jeder will der Epileptikerin helfen, auf seine Weise. Weder klagt REQUIEM den religiösen Fanatismus an, noch das Elternhaus, die versagende Medizin oder die Freunde Michaelas. Die Schuld schwebt über jedem, der Teufel steckt im Ungewissen.
REQUIEM meistert diesen Balanceakt zwischen Humor und Betroffenheit mit einem Augenzwinkern. (...) Sehenswert ist das Stück für diejenigen, die nachvollziehen wollen, wie der Wahn um sich greift, was er mit Menschen machen kann, und die menschliche Abgründe nicht scheuen.