

Dietrich Korten nach Charles Dickens
Oliver Twist: Ich habe Angst und fühle mich so…so…
Mr. Bumble: Was so?
Oliver Twist: Allein.
Um die Welt ist es nicht gut bestellt: Das Kapital regiert die Triebkräfte der Menschen. Armut, Kinderarbeit, Hunger und Jugendkriminalität prägen die Gesellschaft. In diese unwirtliche Welt wird Oliver Twist hineingeboren. Ohne Geborgenheit und Liebe wächst er in einem Waisenhaus auf. Niemand weiß, wer er ist. Niemand weiß, woher er kommt.
Als Oliver zu einem Leichenbestatter in die Lehre gegeben wird, nutzt er die Gelegenheit zur Flucht nach London. Im Untergrund der Metropole gerät er in die Fänge des berüchtigten Hehlers Fagin, der elternlosen Kindern ein Zuhause bietet. Doch seine vermeintliche Nächstenliebe trügt: Skrupellos bildet er die Kinder zu Taschendieben aus, die für ihn auf Beutezug gehen. Olivers Karriere als Krimineller scheint vorgezeichnet zu sein.
Erst als er von einem gutmütigen Herrn in Pflege genommen wird, scheint ein glücklicher Aufstieg in die bürgerliche Gesellschaft möglich. Wenn da nicht eine finstere Gestalt namens Monks ein spezielles Interesse an Oliver hätte…
Premiere: 7. Oktober 2007
Schnell nimmt das Stück, inszeniert von Nino Haratischwili, die Zuschauer gefangen und für den Jungen ein, der mal leise, mal vehement, für sich sorgt, ehrlich bei aller dem glitzernden Geld entspringenden Verlockung bleibt. Die Innenwelt Olivers spiegelt sich in den kraftvollen und leisen Gesten des Stückes. Und in dieser rauen Welt ist die Beziehung von Nancy und Oliver ein großer Solitär – der am Ende zerschlagen wird. Sehr traurig. Und sehr schön.