

von Euripides / von Aristophanes
So sehen, wenn Krieg ist, Sieger aus.
Ein antikes Doppelprojekt hat am 5. April 08 auf der Großen Bühne Premiere. An einem Abend werden nacheinander zwei Stücke gespielt, die in enger zeitlicher Nähe zueinander - 415 v. Chr. und 411 v. Chr. – entstanden sind und beide um die eine Frage kreisen: Wie lässt sich Krieg in all seinen grausamen und unmenschlichen Dimensionen verhindern?
In dem Trauerspiel DIE TROERINNEN des Euripides stehen die besiegten trojanischen Frauen am Strand und warten auf das Los, das sie unter den griechischen Siegern verteilen wird. Sie blicken auf den Schrecken und die Gewalt zurück, die der Trojanischen Krieg über sie und ihre Familien gebracht hat und in eine ungewisse quälende Zukunft, die noch mehr Unheil zu bringen droht.
Die LYSISTRATE des Aristophanes, ein phantasievolles Lustspiel, sucht durch die Enthaltsamkeit und sexuelle Verweigerung der Frauen, das Begehren der sich im Krieg befindenden Männer in solchem Maße zu steigern, dass es ihnen gelingt diese zum Frieden zu verführen.
Premiere: 5. April 2008
Die Troerinnen
Lysistrate
Stephanie Sewella reiht die Stücke für das Deutsche Theater in Göttingen aneinander. Bei der Premiere am Samstag eröffnete sich ein eindrucksvoller Blick auf die Spannweite des altgriechischen Theaters. (...)
Bei aller komischen Brechung bleibt klar, dass auch im zweiten Stück Menschen sterben. Der Krieg dient als thematische Klammer, behutsam changiert man zwischen Texttreue und sinnvoller Adaption. Regisseurin Sewella gelingt in zwei Stunden ein Spagat, der auf Kernbotschaften reduziert, ohne zu beschneiden. Eine sehenswerte Zusammenschau zweier Stücke, die auch nach 2400 Jahren Zuschauer in den Bann ziehen – mit minutenlangem Beifall als Beweis.
Regisseurin Stephanie Sewella zeigt die bipolaren Stücke nacheinander und spielt ihre Gegensätze gegeneinander aus. Flach der Bühnenraum bei Euripides, kaum eine Geste zerstört das von Sewella gemeißelte Relief, das die sieben Frauen am Meer bilden. (...)
Ganz Dionysos gewidmet nimmt der Rausch seinen Lauf, auf die Tragödie folgt nun beinahe ein Satyrspiel. Weit und tief ist plötzlich der Bühnenraum, ausladend sind die Gesten und protzig lustvoll schlenkern Affekte durch die Sätze. Der vormaligen Strenge steht eine grelle, leichte, scherzende Buntheit gegenüber, jede Phrase überzeichnet, jede Bewegung eine süße Verführung. (...)
Grausamkeit gegen Leichtigkeit. Die konsequente Gegensätzlichkeit des Doppelprojektes ist ohne Frage eindrücklich und streng konstruiert. (...) Es zeigt sich die ganze Ambivalenz: Zwischen den Polen liegt die Welt.