Alles in Echtzeit.
„Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.“ (Karl Marx)
Im Mittelpunkt dieses Theaterprojekts stehen drei Biografien, in deren Leben der 30. Januar 1945 eine einschneidende Zäsur darstellte. Fritz K., ein 18 Jahre alter Panzergrenadier erhält an diesem Tag seinen Einsatzbefehl, der ihn nach Kunersdorf, einem kleinen Dorf fünf Kilometer östlich von Frankfurt an der Oder im heutigen Polen liegend, an die Ostfront führen wird. An jenen historischen Kriegsschauplatz also, wo vor mehr als 200 Jahren Friedrich der Große eine verheerende Niederlage im Kampf gegen russische Truppen erlitten hatte. Deren wundersame Folgenlosigkeit diente später den Nationalsozialisten zur mythischen Verklärung der Deutschen als auserwähltem Volk.In Paris bricht zur gleichen Zeit der amerikanische G.I. Eddie Slovik, 24, mit einem Militärtransport in die Vogesen auf, wo er wegen Fahnenflucht hingerichtet werden wird. Während im KZ Buchenwald der 19jährige russische Bergarbeiter Adam Golub in einen Waggon gepfercht wird, um als Ersatz für verstorbene Häftlinge ins KZ Katzbach nach Frankfurt am Main, der Heimat von Fritz K., verfrachtet zu werden. Doch der 30. Januar 1945 ist noch in anderer Hinsicht von Bedeutung. Es ist der 12. und letzte Jahrestag der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Ein letztes Mal beschwört Hitler in einer öffentlichen Rundfunkansprache das Schicksal der deutschen Nation. In Gotenhafen legt das KdF-Passagierschiff „Wilhelm Gustloff“ auf ihrem Weg zum Meeresgrund ab und in New York bereitet sich der Sohn weißrussischer Einwanderer, Issur Danielowitsch Demsky, besser bekannt als Kirk Douglas, auf sein Debut am Broadway vor.
KUNERSDORF RELOADED wagt den Versuch, vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse die Schicksale der drei Protagonisten während der folgenden acht Tage bis zum 6. Februar 1945 zu rekonstruieren.
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