

von Johann Wolfgang von Goethe
Erlaubt ist, was gefällt.
Alfons II., Herzog des kleinen Fürstentums Ferrara, hält sich an seinem Hof den Dichter Torquato Tasso. Der talentierte wenn auch ein wenig exzentrische Schriftsteller und Hitzkopf soll ihm und seinem Reich im harten Konkurrenzkampf der Nachbarfürsten den nötigen Glanz und Ruhm verleihen. Kunst, daran lässt Alfons keinen Zweifel, hat für ihn vor allem ornamentalen, also repräsentativen Charakter. Und dafür braucht er Tasso und hält ihn wie einen exotischen Vogel in seinem Lustschloss. Als Gegenleistung gibt es das volle All-Inclusive-Programm. Scharfe Gewürze, starke Getränke und wilde Partys sollen helfen, Tassos Feuer der Inspiration am Brennen zu halten. Und Tasso brennt, allerdings und vor allem für die Schwester des Herzogs, Leonore, die er als Adressat seiner Dichtung zu erobern trachtet.
Goethes Stück beginnt in dem Augenblick, da Tasso sein Meisterwerk an Alfons überreicht. Zwar glaubt er dieses unvollendet, doch scheint ihm die Gelegenheit günstig. Doch dem Moment der ungetrübten heiteren Freude folgt schon bald die Ernüchterung. Erst verdirbt ihm der erfolgreich von einer diplomatischen Mission zurückgekehrte Politprofi Antonio den »perfekten« Augenblick. Dann muss er erleben, wie ihn die Gräfin Sanvitale in unzweideutiger Absicht in ihre Heimatstadt locken will. Und schließlich missversteht er auch noch die Liebe der Prinzessin als trügerischen Schein. Gekränkt von so viel – fälschlicherweise – empfundener Boshaftigkeit wird Tasso schließlich zum Amokläufer und Opfer seiner Gemütsschwankungen.
Goethes 1787 veröffentlichtes Schauspiel ist nicht nur sein persönlichstes, »Fleisch von meinem Fleisch«, sondern auch von ungebrochener Aktualität. Wie weit darf sich ein Künstler, darf sich die Kunst »verkaufen«? Ab wann läuft man als erfolgreicher Künstler Gefahr, den schönen Schein seiner Umgebung für »echt« zu halten? Ist unter diesen Umständen »wahre« Freundschaft möglich? In ihrer Inszenierung wird die Hamburger Regisseurin Nina Pichler, die 2010 mit dem Rolf Mares-Preis in der Kategorie »Herausragende Inszenierung« ausgezeichnet wurde, diesen Fragen nachspüren, ohne dabei die feine Komik in Goethes Stück zu vernachlässigen.
Premiere: 5. November 2011
"Italien riecht im Deutschen Theater in Göttingen nach Orangen, und der Duft der zahlreichen Apfelsinen auf dem Bühnenboden erweckt zusammen mit der rauchigen Stimme von Paolo Conte das sinnliche süße Leben am Fürstenhof Alfons II. in Ferrara. Zur Premiere von Johann Wolfgang von Goethes 'Torquato Tasso' gab es (...) langen Applaus und bravorufe nach 90 Minuten mitreißendem und hervorragend inszeniertem Spiel."
"Die gelungene Inszenierung von Nina Pichler und das in seiner Zurückhaltung fantastische Bühnenbild von Julia Bührle-Nowikowa (...) haben auf außerordentliche Weise der individuellen Emotionalität jeder Rolle und ihrer Verkörperung durch die hervorragenden Schauspieler sehr viel Raum gegeben und alles zu einem wunderbaren Ganzen gefügt."