DIE ORESTIE

von Aischylos

Als Agamemnon am Ende des trojanischen Krieges nach Mykene zurückkehrt wird er bereits von seiner Frau Klytaimnestra und deren Geliebten Aigisthos erwartet. Agamemnon hatte die gemeinsame Tochter Iphigenie zu Beginn des Krieges den Göttern geopfert, um günstige Winde für seinen Feldzug gegen Troja zu erhalten. Klytaimnestra sinnt Rache und erschlägt gemeinsam mit Aigisthos den Ehemann heimtückisch im Bad. Agamemnons Sohn Orestes trifft am Grab des Vaters auf seine Schwester Elektra. Gemeinsam beschließen sie, den grausamen Mord am Vater zu rächen und die Mutter samt Liebhaber zu morden. Doch kaum ist die Tat an Klytaimnestra und Aigisthos verübt, treten die Erinnyen, die Rachegöttinnen der getöteten Mutter, auf den Plan und beginnen Orestes zu verfolgen. Apollon schickt Orestes nach Athen. Dort bestimmt Pallas Athene, die beiden verfeindeten Parteien – Orestes und der Gott Apollon auf der einen und die Rachegöttinnen der Mutter auf der anderen Seite – in Form eines Gerichtsprozesses aufeinandertreffen zu lassen, an deren Ende ein Geschworenengericht über Recht und Unrecht entscheiden soll…

In seinem 458 v. Chr. uraufgeführten Werk lässt Aischylos die letzten markerschütternden Auswüchse des Fluchs der Atriden lebendig werden, der über Generationen hinweg das Prinzip der Blutrache als alleiniges Mittel der Konfliktlösung weiterträgt. Auge um Auge, Zahn um Zahn wird Vergeltung am anderen geübt – und der Begriff der Gerechtigkeit zur Rechtfertigung für den Tyrannenmord
missbraucht.

Die einzige erhaltene Tragödientrilogie der antiken Dichtung [1] thematisiert jedoch nicht nur das Prinzip »Sühne durch Blutrache«, sondern legt im gleichen Moment den Grundstein für den Übergang von einer Gerichtsbarkeit der Götter hin zu einer Rechtsprechung auf Grundlage eines von Vertretern des Volkes zusammengesetzten Gerichts.

In Kooperation mit dem Seminar für Deutsche Philologie der Georg-August-Universität Göttingen

Gebärdenübersetzung Daniela Happ, Jana Hosemann Gebärdendolmetscherin Undine Schäfer

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Mark Zurmühle untersucht in seiner Inszenierung die Dimensionen, die das Thema der Rache in einer Zeit einzunehmen vermag, in der die Möglichkeiten direkter Einflussnahme des Individuums zunehmend schwinden und das Gefühl der Ohnmacht angesichts immer komplexer und abstrakter werdender Zusammenhänge wächst – eine Zeit, in der sich die Frage nach einer möglichen Berechtigung von Vergeltungsschlägen leise als moralisches Dilemma mit erheblichem Konfliktpotential breit macht. Unter diesem Blickwinkel betrachtet erlangt der Chor in Aischylos‘ ORESTIE als ohnmächtiger Beobachter und Kommentator gerade im 21. Jhd. wieder besondere Relevanz.

[1] DIE ORESTIE in ihrer heute erhaltenen Form setzt sich aus den Teilen AGAMEMNON, CHOEPHOREN und EUMENIDEN zusammen. Das Satyrspiel, das zu Lebzeiten Aischylos‘ üblicherweise auf die Aufführung einer Trilogie beim Tragödienwettstreit der antiken Dichter folgte – und somit ursprünglich eine Tetralogie abschloss –, ist nicht erhalten.

Premiere: 14. April 2012

Inszenierung > Mark Zurmühle Bühnenbild > Eleonore Bircher Kostüme > Ilka Kops Musik > Jan Exner Dramaturgie > Lutz Keßler
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© Deutsches Theater in Göttingen

Roland Bonjour (Foto Thomas Müller) Roland Bonjour, Marie-Kristien Heger, Marie-Thérèse Fontheim, Andreas Jeßing, Jan Exner, Ronny Thalmeyer, Angelika Fornell, Alois Reinhardt (Foto Thomas Müller) Jan Exner, Roland Bonjour, Alois Reinhardt, Angelika Fornell, Andreas Jeßing (Foto Thomas Müller)
Angelika Fornell, Andreas Jeßing (Foto Thomas Müller) Ronny Thalmeyer, Marie-Thérèse Fontheim, Jan Exner, Marie-Kristien Heger, Angelika Fornell, Roland Bonjour, Alois Reinhardt, Andreas Jeßing (Foto Thomas Müller) Alois Reinhardt, Roland Bonjour; hinten Marie-Thérèse Fontheim, Gebärdenchor (Foto Thomas Müller)
Marie-Thérèse Fontheim, Andreas Jeßing; hinten Roland Bonjour, Gebärdenchor (Foto Thomas Müller) Marie-Thérèse Fontheim, Roland Bonjour, Alois Reinhardt; hinten Andreas Jeßing, Gebärdenchor (Foto Thomas Müller) Roland Bonjour, Alois Reinhardt; hinten Gebärdenchor (Foto Thomas Müller)
Alois Reinhardt, Ronny Thalmeyer, Roland Bonjour; hinten Gebärdenchor, Andreas Jeßing (Foto Thomas Müller) Alois Reinhardt, Angelika Fornell (Foto Thomas Müller) Roland Bonjour, Alois Reinhardt; hinten Marie-Krisiten Heger, Jan Exner (Foto Thomas Müller)
Marie-Thérèse Fontheim, Alois Reinhardt, Roland Bonjour, Jan Exner, Marie-Kristien Heger, Tanja Herbst, Andreas Jeßing, Angelika Fornell, Ronny Thalmeyer; hinten Gebärdenchor (Foto Thomas Müller)
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DIE ORESTIE
DIE ORESTIE
ELEKTRA/ IPHIGENIE/ PYTHIA/ Chor > Marie-Thérèse Fontheim KLYTAIMNESTRA, Chor > Angelika Fornell KASSANDRA/ AMME/ ATHENE/ Chor > Marie-Kristien Heger ORESTES/ WÄCHTER/ Chor > Roland Bonjour HEROLD/ Chor > Jan Exner AGAMEMNON/ APOLLON/ Chor > Andreas Jeßing ORESTES, Chor > Alois Reinhardt AIGISTHOS/ Chor > Ronny Thalmeyer GRABSCHMÜCKERINNEN > Gebärdenchor in Kooperation mit dem Seminar für Deutsche Philologie

"(...) Die Konflikte, die in der Orestie verhandelt werden, sind überaus existentiell. Gewaltig sind die Taten und gewaltig sind auch die Bilder, die Mark Zurmühle in seiner Inszenierung am Deutschen Theater für sie gefunden hat."

"Ganz anders wird der Chor im zweiten und darin übergehenden dritten Teil aufgenommen: ein Gebärdenchor n schwarz im Gegensatz zu den vorangegangenen hellen Gestalten übernimmt eine angesichts des Schreckens lautlose, aber nicht minder eindringlich beredte und bildmächtige Klage, ein wohl notwendiger Tribut an die Verständlichkeit ist die stimmhafte Übersetzung."

"Klytaimnestra (Angelika Fornell) beeindruckt mit Kühle und Tiefe. Facettenreich zeigt sich Marie-Thérèse Fontheim als Iphigenie, Elektra und Pythia. Gerahmt, umspannt, unterschiedlich ausgeleuchtet und sorgsam gestellt wirkt Bild um Bild (Bühne: Eleonore Bircher) monumental und steht der Gewalt und Macht der Sprache in nichts nach."

GT

"In Gebärdensprache applaudierten viele begeisterte Besucher der Theaterpremiere am DT in Göttingen (...). Intendant Mark Zurmühle inszeniert Aischylos' griechische Tragödie 'Die Orestie' und setzt darin in überzeugender Weise auch einen Chor ein, der Gebärdenspracche spricht."

"Wer aus der durchweg überzeugend agierenden Gruppe sich eine der überdimensionalen weißen Gipsmasken aufsetzt, schlüpft zwischendurch in eine der Rollen und spricht deren Figurentext. Eine schöne Idee in antiker Tradition (...)"

HNA

"bildgewaltige Szenerie"

NDR Kultur

Termine

Ort: Großes Haus
Die Vorstellung wird auf den 28. Juni 2012 verschoben. Weitere Infos an der Theaterkasse 0551 4969-11
24. Mai 2012, 19:45 Uhr
Freier Verkauf - Karten
30. Mai 2012, 19:45 Uhr Freier Verkauf - Karten
8. Juni 2012, 19:45 Uhr bis ca. 22:30 Uhr Freier Verkauf - Karten
19. Juni 2012, 19:45 Uhr bis ca. 22:30 Uhr Freier Verkauf - Karten
24. Juni 2012, 16:00 Uhr bis ca. 18:45 Uhr Freier Verkauf - Karten
Verschobene Vorstellung vom 24. Mai 2012
28. Juni 2012, 19:45 Uhr bis ca. 22:30 Uhr
Freier Verkauf - Karten