Information & Service

Spielzeitheft 2016/17

Liebes Publikum,

zwei Jahre bin ich mit meinem Team nun in Göttingen. Wir gestalten und verantworten das Schaffen des Deutschen Theater Göttingen und treten dabei in einen Dialog mit Ihnen, unserem Publikum. Ein erstes Fazit steht an: Die Neugier, Herzlichkeit und Offenheit, die wir erleben durften und das Interesse an den Produktionen, das das Göttinger Publikum dem Deutschen Theater entgegen bringt, ist erfreulich.

Daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!

Die Kunst im Allgemeinen und das Theater im Besonderen stellen in Frage, provozieren den Diskurs und sind skeptisch gegenüber jeder Aussage, die den Anschein der Sicherheit oder gar des Dogmatischen in sich trägt. Wenn Fragen nicht mehr zugelassen, ertragen oder geduldet werden, ist die Demokratie tot. Wir erleben es zurzeit in Polen und der Türkei. Wir, das Deutsche Theater Göttingen, haben die Aufgabe, zu verunsichern, zu befragen und zu sensibilisieren. Wir arbeiten an diesem Thema weiter und gehen dabei noch intensiver auf das ein, was die Freiheit bedroht.

Es ist naheliegend, auf das bewährte Konzept von zeitgenössischer Dramatik, Klassikern, musikalischen Produktionen und Kinder- und Jugendtheater zu bauen. Aber auf der Suche nach künstlerischem Ausdruck für das, was uns bewegt, können, dürfen und wollen wir uns nicht nur auf das Bewährte verlassen. Es gilt einen Schritt weiterzugehen, immer auch im Hinblick auf die Frage, welche Rolle dieses Theater in dieser Stadt spielen und ausfüllen will. Wir werden kommende Spielzeit mehrere Stücke präsentieren, die ganz unmittelbar mit Göttingen zu tun haben, denn wir nehmen wahr, dass die Göttinger mit ihrer Stadt sehr verbunden sind. Und wir wiederum wollen als Theater dieser Stadt und Region die Themen bearbeiten, die die Menschen hier umtreiben – auch das Unrühmliche.

Burschenschaften gehören zur Universität und damit auch zu Göttingen. Sie prägen und beeinflussen diese Stadt. Wir verbinden mit ihnen Tradition und Rituale sowie unterschiedlichste Klischees und Vorurteile. Was diese Verbindungen heute, im Hinblick auf ihre vermeintliche Rolle als gesellschaftliche Elite, ausmacht, beleuchtet der Autor Kevin Rittberger in seinem Stück, das wir zum Spielzeitbeginn zeigen.

An der Georgia Augusta promovierte 1874 eine schillernde junge Mathematikerin. Sie lieferte gleich drei Dissertationen auf einmal ab, von der jede brillant war. Sofia Kowalewskaja war eine russische Wissenschaftlerin, die sich in der Liebe verlor, um in der Wissenschaft Halt zu finden, und die auch die Göttinger Universität bereichert hat. Anne Jelena Schulte schreibt für das Deutsche Theater ein Stück über diese Frau, die sich – stellvertretend für viele Frauen – gegen die herrschenden Normen im Wissenschaftsbetrieb durchsetzen musste.

Die Autorin Gesine Schmidt recherchiert über die Arisierung in der Stadt Göttingen. Der Geschichte gewahr zu sein, ist eine Versicherung gegen aufkommende kurzgedachte politische Lösungsansätze. Auch darüber müssen wir sprechen.

Und wir lüften das Geheimnis um das Göttinger Gänseliesel. Im Familienstück zur Weihnachtszeit erzählen wir die Geschichte des berühmteste Mädchens der Stadt. Sie hat es verdient, Hauptdarstellerin einer schönen Geschichte zu sein. »Erlaubt ist, was gefällt«, oder wie der Italiener sagt: »Si non è vero, è ben trovato«. Ich lade Sie ein, teilzunehmen und dabei zu sein. Das Deutsche Theater Göttingen bleibt ein belebter Ort der Begegnung und Auseinandersetzung.

Ihr
Erich Sidler
Intendant

Karten Kontakt
up down
facebook youtube instagram