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Die lächerliche Finsternis

Nach einem Hörspieltext von Wolfram Lotz

Es ist eine echte Odyssee à la Francis Ford Coppola und Joseph Conrad, auf die sich Hauptfeldwebel Oliver Pellner und Unteroffizier Stefan Dorsch begeben: Mit dem Patrouillenboot ›auf‹ dem Hindukusch führt sie ihre Suche nach dem verschollenen Oberstleutnant Deutinger nicht nur durch das afghanische Hinterland, sondern auch in den afrikanischen Busch und damit mitten ins »Herz der Apokalypse«. Landläufiges Wissen – z. B. dass der Hindukusch ein Gebirge sei – und unsere eurozentrische Perspektive auf die Welt stoßen dort recht schnell an ihre Grenzen. Und da Pellner und Dorsch dem, was die Medien tagtäglich über die Fremde berichten, anscheinend nicht trauen können, machen sie sich vor Ort ihr eigenes Bild.
In Marcus Lobbes Inszenierung von »Die lächerliche Finsternis« lädt Wolfram Lotz seine Protagonisten zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Ist die Finsternis wirklich lächerlich?« ein und gibt ihnen ein Forum, ihre ganz persönlichen Eindrücken und Erfahrungen dieser Reise ins Unbekannte zu schildern. Zu Gast sind neben einem Kommandeur einer Gruppe italienischer Blauhelmsoldaten, einem für die christliche Mission tätigen Reverend und einem Straßenhändler, außerdem ein »schwarzer Neger aus Somalia«, Ultimo Michael Pussi. Pussi, der wegen Piraterie angeklagt ist, versucht, Missverständnissen von vornherein vorzubeugen und spricht der Einfachheit halber Deutsch. Aber leider führt Verständlichkeit nicht zwingend zu Verständnis. Und so kämpfen die Talkgäste nicht nur um Verständnis für ihr Handeln oder ihre ausweglose Situation, sondern um die Deutungshoheit der politischen und wirtschaftlichen Weltlage. Dabei zeigt sich, dass es nicht nur Sprachbarrieren sind, die uns Mitteleuropäer – in Zeiten des Postkolonialismus, der Globalisierung und der internationalen Krisenherde – an einem Erkennen und Verstehen der komplexen, globalen Zusammenhänge hindern. Wer kann in dieser Talkrunde Licht ins Dunkel der Finsternis bringen?

Wolfram Lotz
Der 1981 in Hamburg geborene Wolfram Lotz, der Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert hat, schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa. Er wurde bereits mehrfach mit Preisen – u. a. von der Zeitschrift »Theater heute« als Nachwuchsdramatiker des Jahres 2011 und mit dem Kleist-Förderpreis – ausgezeichnet. Der als Hörspiel konzipierte Text »Die lächerliche Finsternis« wurde in der Inszenierung des Burgtheater Wien 2015 zum Berliner Theatertreffen und zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Die SZ attestiert Lotz und seinen Stücken »sagenhaften Größenwahn«.

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