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Fremdes
Haus

Dea Loher

 

Hochverschuldet ist das Fremde Haus am Kanal. Doch es sind keine Hypotheken, die Risto Mihaijlov und seiner Familie seit der Flucht vor Titos Regime im Nacken sitzen. Es sind die Lebenslügen, der Preis der Freiheit, die bleischwer auf ihrem neuen Leben lasten.

In der Umbruchsituation Jugoslawiens nach dem Zweiten Weltkrieg und unter der sich festigenden Herrschaft Titos geriet Risto als regimekritischer Kommunist in Bedrängnis. Um sich selbst zu retten, denunzierte er seinen besten Freund. Goce landete, von diesem Verrat nichts ahnend, im Gulag. Risto dagegen konnte mit seiner Familie fliehen und in Deutschland ein neues Leben beginnen. Doch das Trauma der politischen Verfolgung und die Schuld des Verrats sitzen tief und lassen die Fassade eines anständigen Arbeiterlebens bröckeln. Ristos Frau Terese hat ihre Anstellung verloren und ernährt die Familie durch Prostitution, Tochter Agnes wird nach einem schweren Autounfall unglücklich an den Unfallfahrer verheiratet. Trostlos stagniert das Leben am schmutzigen Kanal.

Als ein Fremder auftaucht, werden alle jäh aus ihrem Dämmerschlaf gerissen. Jane, Goces Neffe, ist wie Risto Jahre zuvor, auf der Flucht. Die Wirtschaftskrise und der drohende Krieg in der Heimat Mazedonien lassen ihn Zuflucht bei den Mihaijlovs suchen. Seinen Anspruch eines ›richtigen‹ Lebens verfolgend, stellt Jane jeden Einzelnen vor die Frage nach der Verantwortung gegenüber dem eigenen Leben. Nach und nach kommen die ›Geschäfte‹, die Deals, die alle für die Hoffnung auf ein besseres Leben in Kauf genommen haben, ans Licht. Bis sich zuletzt auch Risto der Vergangenheit stellt. Es ist Zahltag im Fremden Haus…

Dea Lohers »Fremdes Haus«, das die schuldhaften Verstrickungen einer Familie zwischen dem Tito-Regime und den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre verortet, weist als zeitlose Parabel, die um Gewalt, Verrat und Schuld kreist, über ein bloß historisches Zeitstück hinaus. Poetisch zeichnet Loher nach, wie fragil Werte wie Freiheit, Familie und Treue sind und wie leicht diese zur ›Ware‹ werden können. Dabei lässt sie uns mit ihren Figuren schonungslos in menschliche Abgründe eintauchen, die in nahezu allen politischen Krisensituationen virulent werden.

 

 

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