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Spielzeit 2018/19

Liebes Publikum,

Literatur wird mit Warnhinweisen versehen, Kinderbücher werden umgeschrieben, Gedichte an Hauswänden werden übermalt, vor Filmen wird gewarnt, weil in ihnen ›Erwachsenensprache‹ gesprochen wird oder sie Szenen mit ›historischem Rauchen‹ enthalten. Gut Gemeintes verkommt zu seltsamen Auswüchsen der Empfindlichkeit und des Kleingeistes: Wer schützt hier nun wen vor was? Und warum?

Es ist an der Zeit, endlich Tipper Gores Verdienste zu würdigen. Sie, die Ehefrau des ab 1993 amtierenden amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore, hat 1984 im Rahmen einer Kampagne maßgeblich dafür gesorgt, dass Warnungen auf Schallplatten mit als brutal oder obszön eingestuften Texten angebracht werden mussten.

Frank Zappa und viele andere Künstler sahen dies als eine Einschränkung des Rechts auf Redefreiheit, wie es im ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verbrieft ist. Doch der ›Parental Advisory‹-Aufkleber hat seinen Siegeszug über die Welt angetreten. Was ursprünglich Eltern ermöglichen sollte, die Kontrolle über den Musikkonsum ihrer Kinder zu behalten, haben längst die Kinder übernommen und sie sind es, die nun fordern, dass man sie vor der Verunsicherung schütze, die Sophokles’ »Antigone« auslösen könnte.

Mein Team und ich haben Sie in den letzten vier Spielzeiten nicht geschont. Wir haben die Stücke angesetzt, die einen Diskurs widerspiegeln und die politischen und gesellschaftlichen Fragen und Problemen nachgehen. Nur einen Warnhinweis haben wir nicht gegeben, weil wir der festen Überzeugung sind: Die Voraussetzung von Theater wie von jeder Kunst ist immer eine Begegnung von Persönlichkeiten. Dieses Ereignis wird bestimmt durch die Teilnehmer*innen und ist stets und ausschließlich in diesem Zusammenhang zu verstehen. Eine Warnung vor ›Erwachsenensprache‹ wäre Wasser in den Rhein getragen. Die Sprache ist im Theater zentrales Ausdrucksmittel. Sie gehört den Menschen, denen wir auf der Bühne begegnen. Und wir müssen damit rechnen, dass sie erwachsen sind. Kultur verbindet uns und Kunst fordert. Sie fordert uns heraus und zuweilen überfordert sie uns auch und führt uns so erst zu dem, was uns letztlich ausmacht und was uns wichtig ist. Sie kristallisiert heraus, was es heißt, Mensch zu sein.

In diesen Freiraum laden wir sie immer wieder ein. Wir werden ihn auch in Zukunft verteidigen. Er steht für Individualität und ist die Keimzelle der Demokratie. Dass Sie so rege an unseren Vorstellungen teilnehmen und das Deutsche Theater Göttingen so eine große Resonanz erfährt, erfüllt uns mit Freude.

Wir möchten Ihnen, verehrtes Publikum, danken und die Erfolge, die wir mit dem Preis der Verleger für Theater und Medien sowie den Einladungen zu den wichtigsten zeitgenössischen Theatertagen in Mülheim und Heidelberg erhielten, mit Ihnen teilen.

Freuen Sie sich mit mir auf die kommende Spielzeit!
Ihr
Erich Sidler
Intendant

 

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