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Das kalte Herz

Von Wilhelm Hauff

Der junge Peter Munk ist unglücklich. Kohlenbrenner ist er und arm. Den schwarzen Ruß und das schlechte Ansehen möchte er ablegen. Hell soll es werden und sorglos in seinem Leben. Es erscheint ihm aber unmöglich, das aus eigener Kraft zu schaffen. Das Glasmännlein im Wald möge ihm helfen!, findet Kohlenmunk-Peter und da er ein Sonntagskind ist, will ihm das Glasmännlein auch drei Wünsche erfüllen. Geld und eine Glashütte wünscht Peter sich und so gut zu tanzen wie der Tanzbodenkönig. Alles geht in Erfüllung, allein Peter weiß, die Gaben nicht mit Verstand zu benutzen und verliert so wieder alles. Doch was ist mit dem Holländer-Michel? Alle, die mit ihm ins Geschäft gekommen sind, wurden reich und angesehen, haben keine Sorgen und Ängste mehr. Also will auch Peter mit ihm handelseinig werden. Für Reichtum und Ansehen muss er sein Herz gegen einen Stein tauschen. Kein hoher Preis scheint ihm das zu sein und er willigt ein. Der materielle wie der Anerkennungserfolg stellen sich ein, nur ohne ein lebendiges Herz werden sie nicht empfunden. Peters kaltes Herz kennt weder Glück noch Mitleid, so dass er für seine Erfolgsmaximierung sogar Liebe und Menschenleben opfert, sein Aufstieg ihm aber keinen Genuss bringt. Das steinerne Herz erweist sich ihm doch als zu hoher Preis. Mit Hilfe des sorgenden Glasmännleins trickst Peter den Holländer-Michel aus und bekommt sein eigenes Herz zurück: »Es ist doch besser, zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter haben und ein kaltes Herz.«
Hauffs Märchen erzählt von dem zutiefst nachvollziehbaren menschlichen Wunsch nach Anerkennung und Beliebtheit, nach materieller Absicherung und Sicherheit. Von den Erwartungen der Gesellschaft an den Nachwuchs. Von Träumen, Wünschen und Sehnsüchten. Vom Loswerden von Ängsten und Sorgen. Und wie leicht wir alle dadurch korrumpierbar werden können. Anfang des 19. Jahrhunderts wie Anfang des 21. Jahrtausends.

Wilhelm Hauff
Nur 24 Jahre alt ist Wilhelm Hauff geworden als er am 18. November 1827 an Typhus starb. Der studierte Theologe und Philosoph hat in dieser kurzen Lebenszeit allerdings eine große Zahl an Liedern, Erzählungen und Märchen geschrieben, die sowohl Ideen der Spätromantik als auch zeit- und gesellschaftskritische Gedanken der vorrevolutionären Zeit aufgreifen.

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