• slide
  • slide
  • slide

Das Licht im Kasten

Von Elfriede Jelinek
Seit dem Sündenfall ist der Mensch dazu verdammt, seine Blöße zu bedecken und dass Amt und Autorität nicht ausreichen, um den Nackten in Würde zu kleiden, ist seit »Des Kaisers neue Kleider« auch offensichtlich. Kleider machen Leute und wer etwa (selbst-) darstellen will, greift besser zur Textilie, schon um die eigenen Mängel zu verhüllen. »Nobody is perfect«, da können modische Accessoires die Selbstoptimierung nur unterstützen.
Ob man zur Klamotte oder zur Haute Couture greift, ist letztlich eine Frage des Geschmacks und des Geldes. Der Mensch erfand die Mode, um sich in seiner Einzigartigkeit zu bestätigen. Dass tausend Andere ebenfalls ihre Unverwechselbarkeit mit dem gleichen Fummel betonen, ist der Preis dafür, dass die hemmungslose Ausbeutung der Näherinnen in den Sweatshops Asiens, Kleidung zur Massenware verkommen lässt. Elfriede Jelinek hat einen melanchlisch-heiteren Text über die Faszination, die Mode von jeher auf den Menschen ausübt, geschrieben. Eine Liebeserklärung, aber auch eine bitterböse Analyse dessen, was die edlen Stoffe verdecken.

Elfriede Jelinek
Die österreichische Autorin Elfriede Jelinek studierte schon während ihrer Schulzeit Klavier und Komposition am Wiener Konservatorium. Nach dem Abitur, 1964, nahm sie ein Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien auf, das sie aber nach drei Jahren abbrach. Seitdem arbeitet sie als freie Autorin und Übersetzerin. Ihr umfangreiches Oeuvre umfasst Theaterstücke, Lyrik, Essays, Hörspiele, Drehbücher, Libretti und Romane. Für ihr literarisches Werk ist sie vielfach ausgezeichnet worden, 2004 mit dem Nobelpreis. Mit ihren Texten mischt Jelinek sich ein – in aktuelle politische Debatten ebenso wie in die Diskussion um lange tolerierte gesellschaftliche Missstände. Mit ihren »Textflächen« hat sie dem Theater eine neue Form beschert, die die zeitgenössische Dramatik dominiert.

Spielplan Karten Kontakt Impressum
down
spielzeit