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Fabian

Von Erich Kästner

Die große pulsierende Hauptstadt Berlin: hier lebt Fabian. In einer Agentur entwirft er Zigarettenwerbung und ventiliert Strategien. In der Zeitungsredaktion diskutiert er mit Freunden Schlagzeilen und Meldungen. In der Kneipe debattiert er über Machtverhältnisse und Politik. In Tanzlokalen und Ateliers flirtet er mit jungen Frauen. Im Kabarett lässt er sich von kuriosen Nummern unterhalten. Sein Leben ist prall. Fabian amüsiert sich und ist engagiert, er lässt sich verführen und hilft Bedürftigen, er ist interessiert, umtriebig und in Gesellschaftsdebatten  verwickelt. Doch erst als seine Mutter zu Besuch kommt und mit ihr das Gefühl von Vertrautheit ohne Anstrengung, er die Juristin Cornelia lieben lernt, sie sich aber trennen müssen und sein Freund Labude sich das Leben nimmt, beginnt er, die Leere seines rastlosen Tuns und Redens zu realisieren und findet kaum mehr Halt. Satiriker, der er war, schrieb Kästner einen überspitzten, grellen, beißenden Roman über ein prosperierendes, aber politisch und moralisch ins Wanken geratenes Deutschland. »Er wollte warnen. Er wollte vor dem Abgrund warnen, dem sich Deutschland und damit Europa näherten!«, erklärte der Autor 1957 zu seinem Roman 25 Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe. »Manhörte den Marktschreiern zu, die ihre Senfpflaster und giftige Lösungen anpriesen. Man lief den Rattenfängern nach, hinein in den Abgrund … Das vorliegende Buch, das großstädtische Zustände von damals schildert, ist kein Poesie- und Fotografiealbum, sondern eine Satire. Es beschreibt nicht, was war, sondern es übertreibt. Der Moralist pflegt seiner Epoche keinen Spiegel, sondern einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karikatur, ein legitimes Kunstmittel, ist das Äußerste, was er vermag. Wenn auch das nicht hilft, dann hilft überhaupt nichts.«

Erich Kästner
Der 1899 in Dresden geborene Erich Kästner wollte zunächst Lehrer werden, begann aber schon früh, als Journalist zu arbeiten und Gedichte zu veröffentlichen. Seine schriftstellerische Tätigkeit führte ihn nach Berlin, wo seine wohl bekanntesten Bücher »Emil und die Detektive«, »Das fliegende Klassenzimmer« und »Pünktchen und Anton« entstanden. Nach dem zweiten Weltkrieg zog er nach München, wo er schließlich 1974 starb.

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