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pas de deux

Von John Birke
Er und Sie begegnen sich täglich im Fahrstuhl und spüren gleich, dass da etwas in der Luft liegt zwischen ihnen. Verstohlene Blicke zum anderen, wegschauen, sich ertappt fühlen, das volle Programm. Sie warten auf den richtigen Moment und obwohl es den eigentlich gar nicht gibt, dann doch das erste Wort, die erste Verabredung, das erste gemeinsame Abendessen. Romantische Atmosphäre, gutes Essen, ausgesuchter Wein, erotische Spannung knistert. Eine Begegnung voll flirrender Leichtigkeit, der Traum vom Verlieben erfüllt sich und auch später, im Bett, herrscht Harmonie.

Eine Romanze, zu schön um wahr zu sein, und irgendwie geborgt. John Birke lässt sein Paar sich durch alle Beziehungsklischees arbeiten, die unsere Zeit bereit hält. Statt sich aufeinander einzulassen, versuchen sie, all den Bildern zu entsprechen, die ihnen von einer modernen Beziehung gezeichnet wurden.
Doch die lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Perspektive vereinen und so trennen sich die beiden wieder, ebenso leicht, wie sie sich gefunden haben. Bis sie sich erneut begegnen und verabreden. Ganz prosaisch, am Kaffeeautomaten …

Mit Genauigkeit und Ironie zeichnet John Birke das Portrait zweier Menschen, die sich selbst verloren haben und deshalb ihre Beziehung mit Ansprüchen überfrachten. Schon im Augenblick der ersten Begegnung beginnt bei beiden das ganz große Kopfkino und noch während sie versuchen, die Hauptrolle im eigenen Film auszufüllen, verrät der Dialog, das da höchstens ein B-Movie abläuft. Es bleibt die Hoffnung, dass die Banalität des Kaffeeautomaten zurück in die Wirklichkeit und zum Eigenen führt.

John Birke
Der 1981 in Toronto geborene John Birke studierte Philosophie in Leipzig und Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Er lebt in Stuttgart und arbeitet als Autor und Übersetzer.

 

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