Theater einBLICK

25.03.2026

Zeit verschieben und sie genießen

Vincent Sartorius, Scharfer Blick / Kritiker*innenclub, 23. März 2026
Kati will Großvater werden
Zum Stück

Wie wird man eigentlich Großvater? Kati (Charlotte Wollrad) malt sich voller Fantasie alle möglichen Berufe aus, die sie später ergreifen könnte. Trotz aller Fantasie möchte sie so werden wie ihr Großvater. Was macht ein Großvater im Alltag? Was hört er für Musik im Radio? Was trägt er für Kleidung? Welche Farbe haben seine Haare? Und warum hat er so große Hände? Fragen über Fragen: Kati beginnt, ihren Großvater zu studieren – mit seiner Lupe begutachtet sie seine weißen wolkigen Haare und zeichnet seine großen Hände mit einem riesigen Stift. Solche riesigen Hände möchte sie auch und nimmt aus dem Wäschekorb ein Paar große weiße Winterhandschuhe. Kati bekommt von ihm immer Zitronenbonbons und muss anhand von kleinen Streichhölzern erraten, welches das Kürzeste ist. Ihr Großvater hat auch die Angewohnheit, Zeitung zu lesen und das Radio nebenbei zu hören. Zeit spielt für ihn keine Rolle, denn er kann beliebig den Tag ändern. Was ein Großvater alles im Alltag tut, unglaublich. Im Laufe des Stückes nimmt Kati die Rolle ihres Großvaters ein. Sie trägt eine Wollweste, hat sich mit ihrem Kuscheltier graue Haare gebastelt und setzt sich auf den Platz ihres Großvaters. Sie kann sogar jetzt seine Zeitung lesen. Im Verlauf des Stückes singt Großvater trompetenartig, was Kati auch übernimmt. Sie möchte ihn verstehen, um Großvater zu werden.

Regisseurin Lisa van Buren hat das Stück mit viel Humor gestaltet. In einer kindlichen Art und Weise spielen beide Schauspieler*innen mit viel Situationskomik. Man spürt eine riesige Spielfreude bei beiden. Durch Blicke und bestimmte Bewegungen lösen sie ein Lachen im Publikum aus. Neugierig mit kindlicher Naivität spielt Charlotte Wollrad eine Kati, die immer erwachsener wird, und Ronny Thalmeiers Großvater ist herzlich, zu Späßen bereit und immer guter Laune. Johannes Frei (Bühne und Kostüme) hat ein niedliches kleines Wohnzimmer gestaltet. Ein Tisch und zwei unterschiedlich große Stühle sind vollgekritzelt mit Buntstiften, was eine kindgerechte und fantasievolle Umgebung schafft.

Die Premiere im dt.x Bellevue vermochte es, Kindern und Erwachsenen zum Lachen zu bringen und die Kinderaugen leuchten zu lassen. Ein Stück mit einer tieferen Bedeutung – nämlich der Frage nach Neugier und demzufolge einer Annäherung zwischen den Generationen. Wenn beide Generationen sich gegenseitig neugierig und mitfühlend anschauen, kann daraus u.a. ein Mittel gegen Einsamkeit gefunden werden. Gemeinschaft.