»Farbfilm«

Uraufführung

Hannah, Nina Hagen Lou von Gündell

Nina Hagen, Hannah Rebecca Klingenberg

Pascal, Jonas, Thomas Gottschalk  Moritz Schulze

 

 

Regie Jette Büshel

Bühne, Kostüme, Video  Thorben Schumüller

Musik Michael Frei

Dramaturgie Theresa Leopold

Regieassistenz  Henriette Kierbaum

Soufflage Gerald Liebenow

Regiehospitanz Anna Kaufmann

 

 

Technische Leitung Marcus Weide / Produktionsleitung Lisa Hartling / Produktionsleitung (in Vertretung) Henryk Streege / Assistenz der Technischen Leitung Henryk Streege / Leitung dt.2 | dt.x Tobias Gleitz / Beleuchtung Markus Piccio, Ottmar Schmidt / Ton- und Videotechnik Steffen Knoke  / Requisite Sabine Jahn (Leitung) / Johannes Frei (Einrichtung) / Maske Frauke Schrader (Leitung, Einrichtung), Marlene Steinmann (Einrichtung), Charlen Middendorf-Tinney (Einrichtung) / Kostümausführung Ilka Kops (Leitung), Heidi Hampe, Stefanie Scholz / Malsaal Eike Hansen / Schlosserei Robin Senger / Dekoration Regina Nause, Axel Ristau / Tischlerei Maren Blunk

 

 

Aufführungsdauer ca. 1 Stunde und 30 Minuten, keine Pause

 

Probenfotos Lenja Kempf

 

Bild- und Tonaufnahmen sind während der Vorstellung nicht gestattet.

Mir ist egal, was die Leutе sagen

Ich will so sein wie Nina Hagеn

Ich kann mich selbst nicht mehr ertragen

Ich will so sein wie Nina Hagen

                                   Aus »(ich will so sein wie) Nina Hagen« von Isolation Berlin

Nina Hagen ist den meisten bekannt mit den Schleifen im Haar, den großen Augen und dem grell geschminkten Mund, denn: Sie liebt ihre Masken. Wer sich dahinter verbirgt, bleibt der Öffentlichkeit vielleicht für immer verborgen, denn Nina Hagen hat sich, wie kaum eine andere deutsche Künstlerin, kontinuierlich selbst neu erfunden. Ihre Biografie strotzt von Geschichten, sprudelnden Ideen, revolutionärer Musik, Abstürzen und Höhenflügen. Abseits der Musik machte sie auch mit zahlreichen Fernsehaufregern auf sich aufmerksam, beispielsweise mit ihrem Auftritt auf einer Talkshow-Couch im österreichischen Fernsehen, in dem sie Orgasmus-Tipps für Frauen mit dem Publikum teilte oder der Eklat in einer TV-Runde mit Merkel, damals Frauenministerin, über Drogenpolitik. »Ich schreie Sie so lange an, wie ich will«, brüllte die Sängerin 1992 in die Kameras – dann stürmte sie aus dem Studio.

Allein, die Welt hat mich vergessen
Ich hänge rum, hab′s bei allen verschissen

                                                         aus »TV-Glotzer« von Nina Hagen

Den Anfang ihrer Karriere bestritt die 1955 in Ost-Berlin geborene Künstlerin in der DDR, mit Unterstützung ihres Ziehvaters Wolf Biermann, der mit ihrer Mutter, selbst bekannte DDR-Schauspielerin, eine Beziehung führte. Mit dem Schlager »Du hast den Farbfilm vergessen« gelang ihr dort der große Durchbruch. Als Biermann dann 1976 von der DDR ausgebürgert wurde, folgten Nina Hagen und ihre Mutter ihm in den Westen. Auch dort gelang ihr schon bald der Durchbruch mit der Debütplatte »Nina Hagen Band«. Bei aller Unberechenbarkeit, die ihre künstlerische Laufbahn begleitete, blieb sich doch selbst immer treu, eben auf ihre Art. Heutzutage macht sie, abseits ihrer Musik, auf sich aufmerksam mit UFO-Sichtungen und diversen Erweckungserlebnissen.

Built by Jesus on high, where we never shall die

Ti’s a land where we never grow old

                                   Aus »Never Grow Old« von Nina Hagen feat. Nana Mouskouri

Im Mai 2026 gab Nina Hagen ein Interview für domradio.de, in welchem sie unter anderem über ihren Glauben sprach, hier nur ein kurzer Auszug daraus:

 

DOMRADIO.DE: Ihr neues Album »Highway to Heaven« ist mit Gospelsongs gefüllt. Einer davon heißt »Alle wollen in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod«. Spielen Sie mit dem Text auf die Urangst der Menschheit vor dem Tod an oder auf Ihre eigene Angst?

 

Hagen: Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod. Im Gegenteil: Gottes Zeitplan ist perfekt. Jesus hat den Tod für uns alle besiegt. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, haben wir nichts mehr mit dem Tod »an der Backe«. Wir werden eines schönen Tages unsere Knochen hier liegen lassen, wie sich das gehört, aber wir bekommen dann einen neuen himmlischen Körper. Und darauf freue ich mich.

DOMRADIO.DE: Sie sind bekanntlich ein sehr religiöser Mensch, obschon Sie im damals atheistisch geprägten Osten Deutschlands, in der damaligen DDR, aufwuchsen. Wie hatten Sie damals zum Glauben gefunden?

 

Hagen: Als ich langsam in die Pubertät kam, pilgerte ich regelmäßig zum Berliner Ensemble nach Ostberlin. Das war das Bertolt-Brecht-Theater. Da gab es Musicals von Bertolt Brecht und Kurt Weill mit einem Großteil an politischer Satire, aber auch christlich-religiöser Satire.

Man vergesse die Tatsache nicht, dass Brecht sein erstes Theaterstück über die Bibel geschrieben hatte: Es war ein Werk über die Bibel und den Umgang der verschiedenen Konfessionen mit dem christlichen Glauben und auch mit dem berühmten Buch. Da hatte ich mich als Teenager gewundert und meine Mutter zu Hause gebeten, mir eine Bibel zu geben.

So habe ich angefangen, darin zu lesen, und wurde schon sehr früh quasi zum Jünger von Jesus. Weil ich mich in die Tatsache verliebt hatte, dass es tatsächlich den einen richtig guten Menschen gibt, der er ist. So stecken, obwohl ich komische, clowneske Kunststücke in meiner Musik vollbracht habe, trotzdem die Christin in mir und die Gerechtigkeit als meine Freundin. Das ist das Gerüst, das mich ausmacht.

Und fliegt mein Blick dann himmelwärts
Tut auch die Seele weh, wie schön

                                          Aus »Naturträne« von Nina Hagen

 

Der Farbfilm und der Zapfenstreich

 

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte sich für ihren Großen Zapfenstreich das Lied »Du hast den Farbfilm vergessen« von Nina Hagen. Eine Erinnerung an Merkels Jugend in der damaligen DDR dürfte der Grund sein, dass die Bundeswehr auch diesen Titel spielen sollte.

Nina Hagen selbst war überrascht von Merkels Musikwunsch, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schrieb: »Auf alle Fälle bin ich von den neusten und überraschenden Musik-Nachrichten aus dem Bundeskanzlerinnen-Amt genauso erstaunt gewesen wie wahrscheinlich alle anderen Lebenskünstler und Lebenskünstlerinnen hierzulande«, hieß es dort. Sie habe die Nachricht zunächst für eine »Fake-Meldung« gehalten.

Nina Hagen nannte auch den Grund, warum sie der Nachricht zunächst keinen Glauben schenkte. »Das ist ein Song mit Text von Kurt Demmler, und dass jedoch der Kurt Demmler ein DDR-»Staatsdichter« mit Sonderprivilegien war, und später ein wegen systematischem Kindesmissbrauchs verurteilter Sexualstraftäter, der im Gefängnis Selbstmord beging, wird ihr hoffentlich bekannt sein«, schrieb die Musikerin.

Nina Hagen möchte sich trotzdem nicht von ihrem Hit abgrenzen, wie sie auf Facebook weiter schrieb. »Aber ich werde mich nicht vor den Fakten verstecken, und auch nicht so tun, als gäbe es sie nicht. Mein Publikum kann und soll auch alle Zusammenhänge kennen. Sich vor der Wahrheit zu verstecken, wäre feige, sowas ist mir ein Greuel! […]«