»Paris danach«

Laurent Gaudé

Aus dem Französischen von Margret Millischer

Deutschsprachige Erstaufführung

Mit

Bastian Dulisch

Rebecca Klingenberg

Marco Matthes

Marie Seiser

Jenny Weichert

Tara Helena Weiß

Leonard Wilhelm

und

Johannes Mittl

(Live-Musik)

 

Regie Schirin Khodadadian

Bühne und Kostüme Carolin Mittler

Musik Johannes Mittl

Dramaturgie Stephanie Wedekind

Regieassistenz Elisabeth Kräßig

Soufflage Julia Schröder

Inspizienz Uta Knust

Produktionshospitanz Neo Lokabur Reese

 

 

Technische Leitung Marcus Weide / Technische Assistentin Silke Martens / Assistenz der Technischen Leitung Carlsson Kemena / Technische Einrichtung Marco Wendt  / Beleuchtung Michael Lebensieg / Tontechnik Julian Wedekind (Leitung, Einrichtung) / Videodesign Mathis Albrecht / Requisite Sabine Jahn (Leitung),  Daniela Niehaus (Einrichtung) / Maske Frauke Schrader (Leitung, Einrichtung), Charlen Middendorf-Tinney (Einrichtung) / Kostümausführung Ilka Kops (Leitung), Heidi Hampe, Stefanie Scholz / Malsaal Eike Hansen / Schlosserei Robin Senger / Dekoration Regina Nause, Axel Ristau / Tischlerei Maren Blunk

 

 

Aufführungsdauer ca. 2 Stunden, 10 Minuten, keine Pause

Aufführungsrechte Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

Probenfotos Georges Pauly

 

 

Bild- und Tonaufnahmen sind während der Vorstellung nicht gestattet.

Es werden stroboskopähnliche Videoeffekte verwendet!

ANTOINE LEIRIS: MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT

 

Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es nicht wissen, ihr seid tote Seelen. Wenn der Gott, für den ihr blind tötet, uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat, dann muss jede Kugel, die den Körper meiner Frau getroffen hat, eine Wunde in sein Herz gerissen haben.
Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Auch wenn ihr es darauf angelegt habt; auf den Hass mit Wut zu antworten, würde bedeuten, derselben Ignoranz nachzugeben, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger misstrauisch beobachte, dass ich meine Freiheit der Sicherheit opfere. Verloren. Der Spieler ist noch im Spiel.
Ich habe sie heute Morgen endlich gesehen. Nach Nächten und Tagen des Wartens. Sie war genauso schön wie am Freitagabend, als sie ausging, genauso schön wie damals, als ich mich vor mehr als zwölf Jahren unsterblich in sie verliebte. Zugegeben, der Kummer zerreißt mich, diesen kleinen Sieg habt ihr errungen, aber er wird von kurzer Dauer sein. Ich weiß, dass sie jeden Tag bei uns sein wird und dass wir uns in jenem Paradies der freien Seelen wiederbegegnen werden, zu dem ihr niemals Zutritt haben werdet.
Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen der Welt. Ich will euch jetzt keine Zeit mehr opfern, ich muss mich um Melvil kümmern, der gerade aus seinem Mittagsschlaf aufgewacht ist. Er ist gerade mal siebzehn Monate alt; er wird seinen Nachmittagssnack essen wie jeden Tag, dann werden wir wie jeden Tag zusammen spielen und sein ganzes Leben lang wird dieser kleine Junge euch beleidigen, weil er glücklich und frei ist. Denn nein, auch seinen Hass bekommt ihr nicht.
[Antoine Leiris: Meinen Hass bekommt ihr nicht, München, 2016]

CAROLIN EMCKE: ÜBERLEBEN

 

Es gibt keine Regeln fürs Überleben. So wenig wie fürs Trauern. Wer ein solches Massaker überlebt, wer mitansehen musste, wie die eigenen Eltern oder Kinder getötet wurden (…), an dem zerschellen Erwartungen, was mutmaßlich angemessenes Verhalten danach sei. Alle Codes oder Konventionen, was zu tun, wie zu sprechen, wie zu trauern sei, prallen ab. Was sollte im Angesicht des ultimativ Unangemessenen auch angemessen sein? Was könnte nach dem absolut Sinnlosen als sinnvoll gelten? Wer wollte das bestimmen?
Wer überlebt, weiß oft nicht zu sagen, was das soll: überleben. Wer eine Schlacht, einen Anschlag, eine Tortur überlebt, weiß danach nicht zu sagen, warum die einen gestorben sind und die anderen nicht. Warum man selbst verschont wurde und es sich danach überhaupt rein gar nicht nach Schonung anfühlt. Ist das eigene Leben danach Zufall zu nennen? Oder Glück? Oder Fluch? Wer überlebt, bleibt oft eingeschlossen in der Aporie, der unauflösbaren Figur, nach dem Grund zu suchen für etwas, was sich aller Begründung entzieht. Wer mitansehen, mitanhören, miterleben musste, wie geliebte Menschen ermordet wurden, willkürlich, dem kommt das Leben danach nicht mehr fraglos vor, dem ist allzu oft das (Mit-)Sterben naheliegender. Wer überlebt, dem gerät oft die zeitliche Ordnung durcheinander. Es gibt eine Bruchstelle, eine traumatische Erfahrung, die sich so kategorial unterscheidet von allem, was sonst als Erfahrung begriffen, befragt, reflektiert wird, dass sie kaum Erfahrung genannt werden kann. Und sie schafft eine eigene Zeit. Sie verlängert sich, wiederholt sich, unterbricht andere Zeiterfahrungen. Post-Trauma.
[aus: Carolin Emcke: Was zählt ein Mensch? Frankfurt am Main, 2026]

»Ein Stück über das Handeln. Zusammen.«

 

»Paris danach« thematisiert die Anschläge des 13. November 2015 in Paris vor dem Fußballstadion, in den Cafés auf den Terrassen, bei einem Konzert im Bataclan in einem vielstimmigen Epos. Der Autor Laurent Gaudé hat das kollektive Trauma dieser Nacht in ein überwältigend-intensives Theaterstück überführt. Die Regisseurin Schirin Khodadadian und die Bühnen- und Kostümbildnerin Carolin Mittler haben im Folgenden ihre Assoziationen zu Zitaten aus dem Stück niedergeschrieben.

 

»L’Histoire fera le récit des faits. Qui fera le récit des âmes?«

 

Gaudé stellt diese Frage der französischen Buchausgabe seiner dramatischen Erzählung voran. Für ihn – wie übrigens auch für uns in unserer Beschäftigung mit »Paris danach« – ist die Frage selbst zentral. Wenn die Geschichtsschreibung sich in wissenschaftlicher Dokumentation und Analyse einer Vermittlung von Fakten widmet, daraus die Geschichte von Gesellschaft(en) begreifbar macht, wer – um wörtlich zu übersetzen – »schreibt die Geschichte der Seelen«? Nicht der Menschen, sondern explizit der »Seelen«? Hier schwingt schon ein Erlösungsgedanke mit, im theatralen Sinne vielleicht auch eine Idee von Katharsis. Gaudé steigt hoch ein, geradezu pathetisch – allerdings entspricht dieser hehre Ton seinem Versuch, Mentalitätsgeschichtliches einzufangen: den Geist einer Stadt. Im Zentrum steht die Frage danach, was uns eigentlich unserer Gemeinschaft versichert. Ein selbstverständliches, irgendwie wahrgenommenes Lebensgefühl? »Uns kann nichts Schlimmes passieren. Wir sind in Paris.«, formuliert eine der eingefangenen Stimmen. Obwohl wir nur selten die uns begegnenden Mitbürger*innen wahrnehmen, sie flüchtig streifen, uns Bilder von ihnen machen, ohne, dass es zu einer tatsächlichen Begegnung kommt.

Gaudé ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Autoren. Sein Schreiben bewegt sich zwischen Prosa, Dramatik und Essayistik. Immer bestimmt davon, das Verhältnis zwischen Privatem und Öffentlichem zu untersuchen: Welche Verantwortung übernehmen wir für ein Miteinander, für die, die wir ›die anderen‹ nennen, welche Räume zerstören wir und warum gelingt es so selten, tatsächlich im Sinne aller zu handeln, wenn es um alle geht? Gaudés Texte ringen immer darum, zu befragen, was uns eigentlich ausmacht, warum wir Begegnungen im eigentlichen Sinne viel zu oft nur konsumieren oder sie gar nicht erst als den Grundmotor für gesellschaftliche Weiterentwicklung begreifen. [Schirin Khodadadian]

»Es ist, als würde ich selbst den Saal betreten. Ich möchte den Ort bildlich vor mir sehen können.«

 

Dieser Theatersaal des Bataclan, der so viel mit dem des Deutschen Theaters gemeinsam hat: Die goldenen Säulen, die Ränge, das Rot. Das Schwarz des Bühnenraums, Bühnenelemente wie Traversen, Scheinwerfer, Podeste, die unterschiedliche Ebenen und Spielflächen schaffen. Ein Flügel, der live bespielt wird. Ein Ort der Begegnung, der Freiheit, der Diversität, des gemeinsamen Erlebens. Das impressionistische Gemälde »Bal du moulin de la galette« von Auguste Renoir als Hintergrund schafft eine direkte Verbindung zu Frankreich, zu Paris und steht auch für die Freiheit, gemeinsam Leben zu feiern, gestern, heute, morgen. Das Bild erscheint in schwarz-weiß, wie können wir es wieder in Farbe tauchen? Bilder und Erinnerungen überlagern sich, umso mehr, wenn Renoirs Bild als weitere Ebene darauf projiziert wird. [Carolin Mittler]

 

»Wir sind so viele. Alle so unterschiedlich und doch so ähnlich.«

 

Eine Gruppe von Menschen mit verschiedensten Biografien – und einer großen Gemeinsamkeit: sie feiern das Leben, die Freiheit, genießen den wunderschönen Abend, das Miteinander. Leider verbindet sie auch die Katastrophe. Aber: sie funkeln, glitzern und flirren, heben sich ab von der Realität des Alltags. All dem, was kommen wird zum Trotz. Sie verweigern sich der Resignation. Sie sind ein Teil des Gemäldes, aber auch des realen Ortes, der Bühne. Sie schälen sich heraus und werden wieder Gruppe, wenn auch individuell gekleidet. Auch sie sind nicht bunt, fügen sich farblich ein in ihre Umgebung und stechen gleichzeitig durch ihren Glitzer heraus. Somit verschieben sich auch in den Kostümen die Ebenen, die Figuren werden mehrschichtig und sind nicht in der naturalistischen Darstellung verhaftet. [Carolin Mittler]

»Was haben wir dieser Barbarei schon entgegenzusetzen? Solche Gesten, kleine Gesten der Menschlichkeit … «

 

Viele Einzelstimmen verdichten sich in »Paris danach« zu einem zeitgenössischen Epos, das dabei unerwartete Wege nimmt. In Verzweiflung zurückzubleiben kommt nicht in Frage und selbst die Toten schreiben ihre Geschichte immer weiter fort. Immer in der Gewissheit, dass ich nur »ich« sagen kann, weil ein Gegenüber »du« sagt. Ratlosigkeit ist hier keine Option, genauso wenig wie zu resignieren, in Anbetracht der sogenannten Weltlage. Ein Stück über das Handeln. Zusammen. [Schirin Khodadadian]

 

»Wir werden uns vor die Cafés setzen, um unseren Mördern zu sagen, dass sie nicht gewonnen haben, dass sie niemals gewinnen werden.«

 

Die Zitate, die du herausgesucht hast, treffen den Ton des Textes in seiner Sehnsucht nach einer hoffnungsvollen Zukunft ganz gut. Die Anschläge in Paris im Jahr 2015 markieren eine Art Umbruch im europäischen Selbstverständnis. Weder unser Grundgesetz noch unser Vertrauen auf demokratische, freie Gesellschaftsformen schützen uns vor Katastrophen – wir sind in unserer Existenz abhängig vom Gegenüber. Und das bedeutet, dass wir Begriffe wie »Verantwortung« oder »verantwortungsvolles Handeln« neu füllen müssten. Sie wieder inhaltlich begreifen. Vielleicht gibt Gaudé hier tatsächlich eine Antwort. Nur stellt sich die wichtigste Frage: Wie? »Paris danach« fragt das immer wieder, neu und überraschend. [Schirin Khodadadian]

CAROLIN EMCKE: NORMALITÄT

 

Hass und Gewalt sind schon lange nicht mehr nur anderswo. Sie betreffen schon lange nicht mehr nur andere. Sie rücken einem buchstäblich auf den Leib. (…) Aber wie soll davon zu sprechen sein? Wie lassen sich Angst und Trauer angemessen artikulieren, ohne sie so zu steigern, wie es sich die radikalen Islamisten und ihre rechtspopulistischen Echos wünschen? Wie sich gelassen zeigen, ohne gleichgültig gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen zu klingen? Wie lässt sich der Schrecken, den der Terror implantiert, eingestehen, ohne sich ihm auszuliefern? (…) Es mag vielleicht realistisch sein, mit Hass und Terror zu rechnen, aber eine Gesellschaft gäbe ihre Zivilität auf, wenn sie diese für »normal« erklärte. Insofern gehört zu der Reaktion auf Hass und Gewalt eben auch und immer wieder das Entsetzen darüber, dass sie geschehen. Und dieses Entsetzen kann nicht qualitativ abnehmen, wenn Hass und Gewalt quantitativ zunehmen. (…) Individuell oder kollektiv innezuhalten, um zu trauern, die eigene Verwundbarkeit auch anzuerkennen, ist insofern kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Aufrechterhalten normativer Standards. Auch und gerade wenn sie unterwandert werden sollen. Diejenigen, die Zynismus als Selbstschutz vor sich hertragen, untergraben die freie, offene Gesellschaft ebenso wie diejenigen, die im Autoritären sich verpanzern wollen. (…) Es wäre falsch, so zu tun, als verstörten sie nicht mehr, dieser Terror und seine schamlose Instrumentalisierung für politische Zwecke. Diese gespenstische Logik, nach der die einen profitieren von der Angst, die die anderen herbeimorden. Aber es wäre auch falsch, sich durch sie verformen zu lassen und ohnmächtig oder gar hoffnungslos zu werden. Sich Bange machen oder ebenso fanatisch werden zu lassen, das würde die Seele verletzen.

Es lässt sich nicht leben im permanenten Ausnahmezustand. Es lässt sich nicht leben im Modus permanenten Misstrauens. Insofern gibt es auch ein Festhalten an der Normalität des gewohnten Alltags, das sich nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Widerständigkeit speist. Weiterhin zusammenzukommen, sich nicht vereinzeln zu lassen, einander zugewandt zu bleiben, sich die Freude an einer offenen, vielfältigen Gesellschaft von niemandem nehmen zu lassen, darin liegt auch eine Form der heiteren Dissidenz. Das ist es ja, was die pseudoreligiösen und die rechtsradikalen Fanatiker wollen: uns aufteilen, uns nur noch über Unterschiede definieren. Sie wollen verhindern, dass wir jenseits des Glaubens oder der Herkunft unsere Ähnlichkeiten sehen und denken können. Aber die Art und Weise, wie zahllose Menschen füreinander eingestanden sind, wie sie sich nicht haben trennen lassen, wie sie sich durch Lüge und Hetze nicht haben einschüchtern oder manipulieren lassen, das war beeindruckend. Sie mögen leiser sein als die anderen, aber dafür sind sie von einer inneren Weite, die nur die kennzeichnet, die hoffen wollen auf ein freies, offenes, gerechtes Miteinander. Diese Hoffnung ist manchen einfach gegeben. Sie tragen sie in sich als metaphysische Gewissheit. Als ein Geschenk, das sich nicht verdienen lässt. Aber es gibt auch eine Hoffnung, für die sich gesellschaftlich etwas tun lässt. Jede und jeder Einzelne kann daran mitwirken, dass sie sich vermehrt.
[aus: Carolin Emcke: Respekt ist zumutbar, Frankfurt am Main, 2025]

ANGELUS NOVUS

 

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm. [aus: Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte, in: Gesammelte Werke, Bd.1, Frankfurt am Main, 1991]
Betrachtet man Klees Zeichnung heute, mehr als ein Dreivierteljahrhundert nach Benjamins unergründlicher und unvergleichlicher Deutung, sieht man den Engel der Geschichte nach wie vor in ungebremsten Flug. Allerdings hat er zu Verblüffung des Betrachters einen U-Turn vollzogen: Nunmehr kehrt er der Vergangenheit den Rücken und blickt entsetzt in Richtung Zukunft. Seine Flügel werden von einem Sturm nach hinten gedrückt, der einem imaginierten, antizipierten und vorauseilend gefürchteten höllischen Morgen entstammt und ihn unaufhaltsam auf das (im Rückblick, nach seinem Verlust und Verfall) paradiesisch erscheinende Gestern zutreibt. Und wieder ist der Sturm so stark, dass er die Flügel »nicht mehr schließen« kann. (…) Wir haben kaum eine Chance, diese Entwicklung aufzuhalten, solange es uns nicht gelingt, ihre Quelle zu versiegeln. Das heißt: Wir müssten den Engel der Geschichte durch Verführung oder Zwang dazu bringen, sich ein weiteres Mal umzudrehen. [aus: Zygmunt Baumann: Retrotopia, Berlin, 2017]