Der tätowierte Mann

Peter Wortsman | Aus dem Englischen von Karin Rausch
dt.2
Premiere 08. Oktober 2021
Uraufführung
Dauer 75 Minuten
Regie
Kevin Barz

Musikalische Leitung
Paul Brody

Bühne
Kevin Barz

Kostüme
Kevin Barz

Dramaturgie
Sonja Bachmann

Video
Johannes Wagner

Es ist das schlimmste Verbrechen der Menschheit, der größte Zivilisationsbruch der Geschichte und ein Grauen, das schwer zu verstehen ist. Mit einer antisemitischen Staatsideologie begründet, wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten sechs Millionen Juden systematisch und mit industriellen Methoden in den Tod getrieben. Ein Teil des entmenschlichten Verfahrens in den Lagern war, dass eine zugewiesene Häftlingsnummer die Namen ersetzte. In dem berüchtigten Vernichtungslager Auschwitz tätowierte man den Gefangenen die Nummern auf den Unterarm und brandmarkte sie so fürs Leben. Peter Wortsman hat in den 1970er-Jahren in Wien Interviews mit Holocaustüberlebenden geführt und diese zu einem Monolog zusammengefügt. »Der tätowierte Mann« ist eine schmerzliche Erinnerung an das Leben im Konzentrationslager. Schmerzlich besonders wegen der gnadenlosen Direktheit der Berichtenden. Die Geschichten aus Ausschwitz erzählen vom Egoismus, den man an den Tag legen muss, um zu überleben, von der Todesangst der Häftlinge, von der Freude der Wächter*innen am Leid der Juden, aber auch von unerwarteter Menschlichkeit und fast unerkannter Solidarität.

Zum Autor Peter Wortsman
Der Autor ist ein in New York lebender Schriftsteller und Übersetzer. Als Sohn österreichisch-jüdischer Immigranten wuchs er zweisprachig auf. Die englisch-deutsche Zweisprachigkeit zieht sich als Thema durch sein ganzes literarisches Werk. Besonders hervorgetan hat sich Wortsman als Übersetzter von Peter Altenberg, Heinrich Heine und Robert Musil. Zu seinen Arbeiten gehören der Roman »Cold Earth Wanderers«, die Erzählbände »A Modern Way to Die«, »Footprints in Wet Cement« und das Theaterstück »Burning Words«. Außerdem veröffentlicht er Essays in den Zeitungen Die Welt und Die Zeit. Sein letztes Werk ist der zweisprachig verfasste Erzählband »Stimme und Atem / Out of Breath, Out of Mind«.
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Pressestimmen

Wie werde ich unsichtbar »Mit der Uraufführung von ›Der tätowierte Mann‹ von Peter Wortsman bringt das Deutsche Theater ein bedrückendes Kammerspiel auf die Bühne des dt.2 und leistet so einen ebenso wertvollen wie schmerzhaften Beitrag gegen das Vergessen … Mit Paul Wenning und Anna Paula Muth treffen zwei Schauspieler aufeinander, die sich in ihrem Spiel großartig ergänzen. Wennings robuste Sachlichkeit kontrastiert gut mit der eher filigran auftretenden Muth, die sich gleich einem Katalysator zwischen das Publikum und die Verbitterung dieses beeindruckenden Zeitzeugen schaltet.«
Jan Thomas Ockershausen, lebenslust:gö Frühjahr 2022

Die Form des Unfassbaren »Vergesst niemals, was geschehen ist! ›Der tätowierte Mann‹ ist engagiertes, literarisches Theater, das in einer interessanten Form Unfassbares spürbar macht. Nahegehend und doch ohne erhobenen Zeigefinger gelingt es diesem Theaterabend, den Wert von Oral History greifbar werden zu lassen. Wertung: ✱✱✱✱✱✱✱✱ 8 von 10 Sternen!«
Marcel Lorenz, https://unddasleben.wordpress.com 16.10.2021

Eine kleine Kostprobe aus der Hölle »Eine emotionale Erzählung vom Leben im Konzentrationslager ... Das Licht auf der Bühne geht aus, doch bis das Publikum zu klatschen beginnt, dauert es. Applaus fühlt sich merkwürdig an bei diesem Thema. Doch dann klatscht das Publikum ausdauernd.«
Mailin Matthies, Göttinger Tageblatt 11.10.2021

Das Grauen kann man nicht zu oft erzählen »Bei der Uraufführung von ›Der tätowierte Mann‹ erleben wir kein gewöhnliches Theaterstück, sondern ein – wie es der Autor selbst beschreibt – literarisches Produkt ... Wir hören nicht nur die Erzählungen des Berichtenden (Paul Wenning), dessen Stimmungen, je nachdem wie schwer es ihm fällt, sich zu öffnen, von gastfreundlich einladend bis latent aggressiv wechseln. Von den dabei aufbrechenden Emotionen bleibt die Interviewerin (Anna Paula Muth) nicht verschont und wir spüren zudem die Unbehaglichkeit und Verletzlichkeit, die sie während der Gespräche durchlebt ... Vielleicht will der Autor uns klarmachen, dass wir nicht aus dem Blick verlieren dürfen, dass das Erinnern an die grauenhaften Taten des Nazi-Regimes immer schmerzhaft bleiben muss, um ein kollektives Vergessen nicht geschehen zu lassen.«
Ingrid Rosine Floerke, Scharfer Blick/Kritikerclub 11.10.2021

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