Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt (Oder) geboren und entstammte einer preußischen Offiziersfamilie. Nach einer militärischen Laufbahn wandte er sich erst der Wissenschaft und schließlich der Literatur zu. Sein Leben war geprägt von inneren Krisen, existenziellen Zweifeln und einem intensiven Ringen um Wahrheit, Moral und Erkenntnis. Kleist starb 1811 am Wannsee bei Berlin durch Suizid. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Literatur zwischen Klassik und Romantik. Seine Novelle »Michael Kohlhaas« (1810) basiert auf einer historischen Figur des 16. Jahrhunderts. Kleist verdichtete in seiner Novelle ein zentrales Thema seines Denkens: das Spannungsverhältnis zwischen individueller Moral und staatlicher Ordnung.
Ein einzelner Bürger zerbricht an der Willkür der Mächtigen. Wie weit darf er für seine Gerechtigkeit gehen? Der Betroffene: Michael Kohlhaas, ein Pferdehändler und immer rechtschaffend. Als ihm aber Unrecht geschieht, sucht er den legalen Weg – doch Ämter versagen, Gerichte schweigen, die Obrigkeit schützt die eigenen Reihen. Aus dem Vertrauen in den Rechtsstaat wird Verzweiflung, aus Geduld Wut, aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit ein kompromissloser Kampf. Wann wird aus berechtigtem Protest radikaler Widerstand? Mit seiner Novelle »Michael Kohlhaas« schrieb Heinrich von Kleist einen der eindringlichsten politischen Texte der deutschen Literatur. Durch die Zeiten der letzten 116 Jahre blieb dieser Selbsthilferachezug erschütternd aktuell und brisant wie am ersten Tag. Im Zentrum dieses packenden politischen Dramas über Machtmissbrauch, Korruption und die Fragilität demokratischer Strukturen stehen die herausfordernden Fragen aktueller Gesellschaften nach individueller Verantwortung, nach zivilem Ungehorsam und nach den Grenzen legitimen Widerstands. Zwischen persönlicher Tragödie und gesellschaftlichem Flächenbrand machen die moralischen Konflikte in dieser Geschichte spürbar, welche gefährliche Kraft Menschen entwickeln können, die sich nicht mehr gehört fühlen.