The Drying Prayer

Variationen im Wasserstand, Konsequenzen des Klimawandels und Gewalt der Boko Haram haben sich in den letzten Jahren in den Alltag und das Leben der Bewohner*innen um den Tschadsee eingeschrieben. Da, wo zuvor Menschen verschiedener Religionen und Ethnien überwiegend friedlich zusammenlebten, häufen sich Konflikte und blutige Auseinandersetzungen. Die wachsende Bevölkerung um den See muss Wege finden mit geringerem Ertrag beim Fischfang, ausbleibendem Regen und verminderter Ernte sowie fehlendem Grün für die Viehherden der nomadischen Völker umzugehen. Alles Veränderungen, die tiefgreifende Konsequenzen für das multi-ethnische und multi-nationale Miteinander der Region bedeuten. Auf die benannten Probleme findet der Staat keine Antwort. Vielmehr verzeichnet die ehemals hochdynamische Agrar- und Handelsregion einen deutlichen Rückgang der Zirkulation von Gütern aufgrund einer Militarisierung der Region. Die Migration und Flucht von Menschen auf der Suche nach einem stabilen und besseren Leben nimmt hingegen zu, ebenso wie die Desertifikation pro Jahr signifikant voranschreitet aufgrund von zunehmenden Erosionen und fehlenden Bäumen.

Trotz des Wissens, dass aktuelle Prognosen für die Zukunft der Menschen in der Sahelregion eher düster sind, bringt die Tanzproduktion »The Drying Prayer« fünf Bilder auf die Bühne, die in einer Feier der Kraft und des Widerstandes von Natur und lokaler Bevölkerung enden. Der Choreograf Taigué Ahmed und sein Team widmen sich aktuellen Transformationen von Lebensraum, Flora, Fauna und Gemeinschaftsstrukturen. Dabei verlieren sie den Glauben an eine Zukunft, die von Anwohner*innen der Regionen selbstbestimmt ausgestaltet wird, nicht.

Im Zuge der Recherche und der Proben des Stücks hat das künstlerische Team einige Tage den Tschadsee besucht, um Gespräche mit Fischern, Bauern, Musikern und weiteren Anwohner*innen zu führen. Die Grundlage der Bewegungen für das Tanzstück ist aus diesem Besuch und den Begegnungen vor Ort entstanden. »The Drying Prayer« ist getanzte Kartographie, ist Anklage und Empowerment. Zeitgenössischer afrikanischer Tanz trifft auf traditionelle Bewegungsabläufe und auf Elemente von urban dance Styles wie Hip-Hop oder Coupé-Decalé – unterlegt von Tracks des DJ und Musikers Afrotronix, die traditionelle Klänge und Rhythmen mit Elektrobeats und Pop verbinden.

Choreografie, künstlerische Leitung Taigué Ahmed
Tanz Baidy Ba, Aimé Djedonang, Hervé Dakanga, Aly Karembé
Musik Caleb Rimbtobaye/Afrotronix
Bühne und Kostüme Veronika Utta Schneider
Dramaturgie, Projektleitung (Deutschland) Sarah Israel
Lichtdesign Wolfgang Eibert
Produktion SISK – Büro für Dramaturgie und Produktion mit Maud Ruget (Leitung)
Administration Tschad Stephane Kradjim

Koprodduktion | Ein Tanzprojekt von Taigué Ahmed (Ndam Se Na) und SISK – Büro für Dramaturgie und Produktion, in Koproduktion mit HochX Theater und Live Art, Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar und Deutsches Theater Göttingen. Mit Unterstützung des SPIELART Theaterfestival München und des CND Centre national de la danse, Künstler im Residenzprogramm (Paris).
Gefördert durch die

 

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