Theater einBLICK
Hommage an eine staatlich geprüfte Schlagersängerin – Farbfilm
Wenn man die Biografie von Nina Hagen versucht zu erfassen, kann einem fast schwindlig werden. Eine Person, die so vielseitig, unberechenbar, talentiert und trotz ihrer bunten Schrilligkeit, oder gerade deswegen, unbestritten intelligent ist.
Umso neugieriger darf man sein beim Besuch der Inszenierung »Farbfilm« (Regie: Jette Büshel) im dt.2 des Deutschen Theaters. Bekannt als Bühne für moderne und experimentierfreudige Stücke stehen diese 1,5 Stunden dem Ansatz in Nichts nach. Als Rahmenhandlung dient eine unscheinbare Studentin, die ihr Studium in der Hauptstadt Berlin abgebrochen hat und ins »langweilige« heimische Göttingen zurückgekehrt ist. Zeitgleich findet in ebendieser Stadt eine »Wetten dass…?« Jubiläumssendung statt, mit der legendären, exzentrischen Nina Hagen als Gaststar.
Diese sich überschneidenden Ereignisse führen zu einer außerirdischen Erfahrung der beiden Frauen (Lou von Gündell und Rebecca Klingenberg in Doppelrollen). Nach einem kaleidoskophaften-farbigen Lichtermeer (Bühne, Kostüme, Video: Thorben Schumüller) findet sich die Studentin Hannah im Körper von Nina Hagen wieder, die sich auf ihr Auftritt vorbereitet. Umgekehrt ist Nina Hagen über ihre plötzliche und merkwürdige blasse Erscheinung verwundert. Parallel dazu tritt Thomas Gottschalk, wunderbar parodiert von Moritz Schulze, auf die Bühne, um sein Publikum zu begrüßen und die Vorfreude auf Nina Hagen zu steigern. Dann wird die Aufführung erst richtig bunt: amüsant, kurios, musikalisch, nostalgisch, spirituell, kritisch, politisch, philosophisch…. you name it!
Am Ende lässt sich zusammenfassend sagen; ähnlich wie der Godmother of Punkt Nina Hagen, sollte man dieses theatrale Lied-Spektakel begegnen: schauen, staunen und einfach genießen.
