Caren Jeß trat als Dramatikerin das erste Mal 2017 in Erscheinung, als sie mit ihrem Stück »Deine Mutter oder Der Schrei der Möwe« den dritten Platz des Osnabrücker Dramatiker*innenpreises belegte. 2018 gewann sie die Residency des Münchner Förderpreises für Deutschsprachige Dramatik mit »Bookpink«. Mit der Grazer Uraufführungsinszenierung desselben wurde sie 2020 für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert und und von Theater heute zur Nachwuchsautorin des Jahres erklärt. 2023 gewann sie für das Stück »Die Katze Eleonore« in der Produktion des Staatsschauspiel Dresden den Dramatikpreis sowie den Publikumspreis der Mülheimer Theatertage.
Seit zwölf Jahren arbeitet Eleonore als erfolgreiche Immobilienmaklerin. Sie wird von ihren Kolleg*innen geschätzt, ist alleinstehend und konnte sich sogar ein ansehnliches Vermögen ansparen über die Jahre. Doch scheinbar über Nacht, zumindest in der Wahrnehmung ihres Umfelds, durchlebt Eleonore eine unaufhaltsame Wandlung: Sie verkündet, dass sie eine Katze ist. Ihre Ärztin und die Schneiderin, die ihr einen Katzenfellanzug näht, reagieren mit ungläubiger Belustigung. Doch Eleonore lässt sich nicht beirren und beginnt sukzessiv und mit größter Entschlossenheit, ihr Ess , Schlaf und Sozialverhalten dem einer Katze anzupassen. Es ist der Therapeut Dr. Wildbruch, der, getrieben von großer Faszination, Eleonores Verhalten zu ergründen sucht. Er ist es jedoch ebenso, der feststellen muss, dass auch Eleonores sprunghaftes und assoziatives Denken bereits dem einer Katze gleicht. Nach und nach reduziert die Katze Eleonore den Inhalt ihres Lebens auf zwei Aspekte: Trieb und Instinkt – und vollzieht hiermit ihren Rückzug aus der Gesellschaft. Caren Jeß schuf mit »Die Katze Eleonore« einen starken und poetischen Monolog, welcher die Frage nach der Verantwortung eines Einzelnen für eine funktionierende Gesellschaft stellt, wenn Menschen den absoluten Rückzug in das Private vollziehen.