Gewalt und Leidenschaft

Nach dem Film von Luchino Visconti
dt.1
Premiere 12. September 2020
Deutschsprachige Erstaufführung
Dauer 100 Minuten
Deutschsprachige Erstaufführung
Regie
Jakob Weiss

Musikalische Leitung
Kriton Klingler-Ioannides

Bühne
Jakob Weiss

Kostüme
Elena Gaus

Dramaturgie
Jascha Fendel

Luchino Viscontis spätes Meisterwerk »Gewalt und Leidenschaft« ist eine intime Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod, der Sehnsucht nach Leben und der Tragik von menschlichen Abhängigkeiten. Vor dem Hintergrund der ewigen Stadt erzählt Visconti die Geschichte eines alternden amerikanischen Professors, der sich in seinem römischen Palais in die Welt von Büchern und Kunstschätzen zurückgezogen hat. Seine Ruhe wird gestört, als die reiche und vulgäre Industriellengattin Marchesa Brumonti den Professor dazu nötigt, ihr eine unbenutzte obere Etage im Palais zu vermieten. In diese Wohnung zieht der mittellose Gigolo Konrad Huebel, der junge Geliebte der Marchesa, Brumontis Tochter Lietta und deren Verlobter Stefano ein. Das Chaos, das mit den neuen Mietern ins Haus eingezogen ist, reißt den Professor aus seiner kultivierten Lethargie und obwohl es immer wieder zum Streit kommt, wachsen ihm die jungen Mitbewohner ans Herz und werden für ihn eine Ersatzfamilie. Besonders der faszinierende und schöngeistige Konrad, der seine kriminelle Vergangenheit geheim hält, zieht ihn magisch an. Als es eines Abends zum Streit in der Familie kommt, öffnen sich die Gräben zwischen den Habenden und den Abhängigen, den Faschisten und den linken Revolutionären und die ungewöhnliche Wohngemeinschaft bricht auseinander.

Zum Autor Luchino Visconti
Der Drehbuchautor, Theater-, Opern-, und Filmregisseur Luchino Visconti (1906-1976) ist einer der bekanntesten Vertreter des europäischen Kinos. Aus einer alten italienischen Adelsfamilie stammend, genießt er als Junge eine künstlerische Erziehung und begeistert sich früh für Theater und Film. Während des Krieges dreht er Filme, bewegt sich in linksintellektuellen Kreisen von Kunst- und Kinoliebhabern und tritt nach dem Krieg der Kommunistischen Partei bei. Der Widerspruch zwischen seiner aristokratischen Herkunft und seinen kommunistischen Überzeugungen ist in vielen seiner Filme zu finden. So auch in »Gewalt und Leidenschaft« mit dem Visconti an seine Thomas Mann Verfilmung »Der Tod in Venedig« anknüpft. Wieder stehen die unerfüllte Liebe eines älteren Mannes für einen Jüngeren und der Zerfall einer dekadenten Gesellschaft im Mittelpunkt.
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Pressestimmen

Vom Lieben und Leiden »Die Genialität der Inszenierung findet sich in dem simplen, aber durchdachten Bühnenbild von Jakob Weiss wieder. Die komplette Handlung spielt sich in der Wohnung des Professors ab ... Soundeffekte und Scheinwerfer sind so eingesetzt, dass das Bild immer wieder in ein neues Licht gerückt werden kann. Künstlerisch gelungen sind außerdem die Kostüme von Elena Gaus, die die gleichbleibende Szenerie der Wohnung auflockern und erstrahlen lassen. Dieser Schwung findet außerdem Verkörperung in der quirligen Rolle der Lietta, der Anna Paula Muth eine liebenswerte Kindlichkeit verleiht. Besonders beeindruckt Paul Wenning, der das gesamte Stück auf der Bühne präsent ist.<br /> Erwähnenswert ist auch die stürmische und emotionale Rolle von Konrad (an diesem Abend gespielt von Paul Trempnau). Trempnau schaffte es, die innere Zerrissenheit des jungen Progressiven fühlbar zu machen. Er verkörpert in Dialogen und Gestik sowohl Traurigkeit als auch brennende Leidenschaft, was die Figur zu der wohl spannendsten des gesamten Stücks werden lässt ... Die darstellerischen Einzelleistungen der Schauspieler*innen schaffen ein dynamisches Gesamtbild. Durch den bunten Mix von komplett unterschiedlichen Charakteren haben Zuschauer*innen in fast jeder Szene die Chance, etwas Neues zu entdecken.«
Mara Fiene, litlog.de 12.1.2022

Spielzeitstart: Premiere im Deutschen Theater mit »Gewalt und Leidenschaft« »Ein bewegendes Stück mit menschlichen und politischen Dimensionen … Weiss ist ein Meister der Andeutung. Der Kristalllüster, ein abgebrochener Kopf einer Statue, die zum Teil berückend erlesenen Kostüme (Elena Gaus), eine nicht minder kostbare Mozart-Arie: Mehr braucht es nicht, um dies zu verdeutlichen … Das Stück lebt von der stillen subtilen Personenzeichnung Paul Wennings, anrührend in seiner hochkultivierten Hilflosigkeit, seiner nie ganz erloschenen Sehnsucht nach Nähe … Angelika Fornell als Marchesa weiß immer, worauf sie Anspruch hat, Gabriel von Berlepsch hat keine Scheu, seine Abneigung gegen Konrad herauszubrüllen. Daniel Mühe kann ebenfalls ausgesprochen unwirsch agieren, darf aber auch leisere Nuancen zeigen. Anna Paula Muth als Liette bringt bezaubernd freundliche Klänge in diese dissonanzenreiche Gruppe. Lang anhaltender Premierenapplaus.«
Michael Schäfer, Göttinger Tageblatt 14.9.2020

Gescheiterte Familienaufstellung »Die Stimmung war entspannt, die Freude über das Stattfinden der Premiere spürbar … Gute schauspielerische Leistungen in einem facettenreichen, tragischen Kammerspiel … Ein Hingucker sind die Kostüme von Elena Gaus ... Am Ende gab es langen Beifall.«
Johannes Mundry, HNA 14.9.2020

Atmosphäre einer veränderten Zeit »Regisseur und Bühnenbildner Jakob Weiss hat für seine Theaterfassung des Films einen surrealen Raum geschaffen, der für das Stück durch seine verschiedenen Zugänge, die Schräglage und den Bühnenhintergrund ideal ist ... Anna Paula Muth spielt die Lietta durchweg passend. Gabriel von Berlepsch ist ein sehr präsenter Stefano, der scheinbar mühelos mit der Figur verschmilzt. Daniel Mühe nimmt man die trotz ihrer Jugend bewegte Vergangenheit seiner Rolle ab. Paul Wenning darf – neben einigen Ausrastern – auch mal leise Töne zeigen, was seiner Darstellung gut tut. Die beste Bühnenpräsenz hat an diesem Abend aber Angelika Fornell, die die oft undurchschaubare Marchesa mit großer, insbesondere stimmlicher Differenziertheit gestaltet.«
Marcel Lorenz, unddasleben.wordpress.com 20.9.2020

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