Oliver Bukowski, geboren 1961 in Cottbus, studierte Philosophie und ist seit 1989 als Autor tätig. Mit »London –L. Ä. – Lübbenau« gelang ihm 1993 der Durchbruch als Dramatiker. Bukowski hat zahlreiche Preise und Förderungen erhalten, unter anderem den Mülheimer Dramatikpreis (1999), und war für den Grimme Preis (2001) nominiert. Seine Stücke wurden unter anderem am Staatsschaupiel Dresden, Deutschen Theater Berlin, Theater Chemnitz und bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen auf die Bühne gebracht.
Sabine ist Ende 60. Leider sieht sie nicht mehr so gut. Aus diesem Grund macht sie viele Fotos mit ihrem Handy. Abends schaut sie dann nach, wo sie überall unterwegs war am Tag. Erstaunlicherweise macht sie das auch beim Autofahren. Das hat bisher gut funktioniert, aber nun hat sie doch einen Unfall gebaut. Ihre Tochter Lena eilt ins Krankenhaus. Glücklicherweise sind die Verletzungen nicht schwerwiegend. Dennoch: ihre Mutter könnte sich gut vorstellen, noch zu bleiben. Ein Bett am Fenster. Das Mittagessen hat sie auch schon angekreuzt. »Dienstag: Wirsingkohl. Mittwoch: Frikassee v. d. Hähnchenbrust oder Eintopf ›Alles aus der Erde‹ oder Geflügelbratwurst.« Lena stutzt und Sabine berichtet, dass sie gar keine Wohnung mehr hat. Einfach gekündigt. »Vierundachtzig Quadratmeter für einen einzelnen alten Menschen, das ist falsch. Regelrecht unanständig.« Lena fällt aus allen Wolken. Ihre Mutter aufnehmen und gemeinsam auf fünfzig Quadratmetern wohnen? Schier undenkbar. Aus Erfahrung wissen beide: Nach drei Tagen gehen sie sich auf die Kette. Aber im Steilwandzelt in einem Vorgarten leben ist auch keine Lösung. Oliver Bukowski zeigt auf sehr humorvolle Weise eine Mutter Tochter Beziehung der speziellen Art – mit allen Rangeleien, Verbundenheiten, Ungesagtem und das in einer Sprache, die kein Blatt vor den Mundnimmt.