Fischer Fritz

Raphaela Bardutzky
dt.1
Premiere 04. November 2023
Dauer 90 Minuten
Die 1983 geborene Autorin und Dramaturgin Raphaela Bardutzky studierte Schauspieldramaturgie, Philosophie und Literaturwissenschaft an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der LMU München. Gemeinsam mit Theresa Seraphin gründete sie 2016 das
Netzwerk Münchner Theatertexter*innen und 2017 wurde ihr erstes Stück »Wüstling« mit dem Münchner Literaturstipendium ausgezeichnet. Auch ihr zweites Stück »Fischer Fritz« wurde vielfach nominiert und prämiert. Neben ihrem Schreiben arbeitet sie als Dramaturgin für freie Projekte, gibt Workshops, kuratiert eine Lesereihe, engagiert sich für sinnvolle Strukturen und faire Bezahlung in der Freien Literaturszene und unterrichtete am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München.
Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz. Zumindest hat Fritz mal Fische gefischt in den heimischen Gewässern, als er noch jünger war. Nach einem Schlaganfall ist er allerdings dazu nicht mehr in der Lage und muss stattdessen zur Genesung vielmehr mit dem Zungenbrecher die Fische fischen, statt sie aus dem Wasser zu holen. Erschwerend kommt hinzu, dass Fritz allein auf dem Land lebt: Seine Frau ist bereits verstorben, sein Sohn berufstätig in der Stadt und es stellt sich die Frage für Fritz und seinen Sohn Franz: Wie soll es weitergehen? Fritz hält am Zuhause fest und Franz möchte ihn gut versorgt in einer Einrichtung wissen, Fritz will nicht mehr diskutieren und Franz möchte Dinge klären, Fritz rutscht die Welt aus den Händen und Franz möchte sie erobern. Die Lösung könnte eine polnische Pflegekraft sein, die bei Fritz einzieht. Aber genauso wie es Fritz schwerfällt, die Hilfe der engagierten jungen Piotra anzunehmen, hat es sich Piotra mit dem Weggang aus Polen auch anders vorgestellt. Die Welt wollte sie entdecken und Menschen kennenlernen, um die sie sich nicht kümmern muss, sondern mit denen sie eine gute Zeit hat. Doch ihr ergeht es wie tausenden anderen Frauen, die aus Polen kommend in der BRD die Care-Arbeit leisten. Sie verliert viel und gewinnt wenig und allein der polnische Busfahrer Borys ist ihr eine Unterstützung. Doch genauso wie Fritz sich unbeholfen an seine neue Lebenssituation herantastet, ist auch Piotra in einem ihr unbekannten Gelände unterwegs, was die beiden zu einer sehr eigenen Lebensgemeinschaft werden lässt.
Raphaela Bardutzky nähert sich in ihrem Theaterstück mit Wortspielen, nahbaren Figuren und spielerischen Situationen einem gewichtigen Thema, das uns alle betrifft. Sie schafft es, die Zuschauenden mit Empathie liebevoll auf die Figuren blicken zu lassen und trotzdem kritisch die grenzwertige Situation für ältere Menschen, deren Angehörige und die Pflegekräfte zu benennen.