Jeeps

Komödie von Nora Abdel-Maksoud
dt.1
Premiere 01. Oktober 2022
Dauer 100 Minuten
19.12
Mo
19:45-21:25 Uhr
12.01
Do
19:45-21:25 Uhr
21.01
Sa
19:45-21:25 Uhr
Nora Abdel-Maksoud, geboren 1983 in München, studierte zunächst Schauspiel und arbeitet seit 2009 als freischaffende Schauspielerin, Dramatikerin und Regisseurin. 2017 wurde Abdel-Maksoud von Theater heute zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt und mit dem Kurt-Hübner-Preis für Regie ausgezeichnet. Für ihr Stück »Café Populaire« erhielt sie 2019 den Hermann-Sudermann-Preis und wurde zum Schweizer Theatertreffen, zu Radikal jung und zu den Autorentheatertagen in Berlin eingeladen. »Jeeps« wurde 2021 in ihrer Regie an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt und ist für den Mülheimer Dramatikpreis 2022 nominiert.
In Deutschland wird umverteilt! Jährlich werden hier bis zu 400 Milliarden Euro vererbt, gleichzeitig ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Eine neue Erbschaftsreform sorgt dafür, dass Immobilien, Geldbeträge und sonstige Güter per Losverfahren zugeteilt werden. Gleiches Los für alle! Die Ausführung der Reform liegt jedoch ausgerechnet am Ort der maximalen Tristesse – der Agentur für Arbeit. Dort treffen nun Hartz-4-Empfänger*innen auf enterbte Akademiker*innenkinder. Beide Gruppen werden gleichermaßen mit der verstockten, verklausulierten deutschen Bürokratie und dem Beamt*innentum konfrontiert. Die Autorin Nora Abdel-Maksoud lässt in ihrem dramatischen Sozialexperiment vier Figuren auf die ›Erbschaftslotterie‹ treffen, die sich einen sprühenden Schlagabtausch liefern. Die zwangsenterbte Jungunternehmerin und Start-Up-Gründerin Silke verbündet sich mit der Dauer-Hartz-4-Empfängerin und Amtskennerin Maude zu einem erpresserischen Duo! Die beiden Frauen drohen dem überkorrekten Amtsmitarbeiter Gabor seinen über Jahre ersparten und heiß geliebten Jeep in die Luft zu sprengen, wenn er nicht Gerechtigkeit walten lässt. Der vierte im Bund ist Armin, der nach Jahren auf dem Amt vermeintlich alle beruflichen wie sozialen Ideale aufgegeben hat. Doch hinter dessen zynisch-gleichgültiger Fassade verbirgt sich etwas, das die Handlung eine völlig unerwartete Wendung nehmen lässt.
Die Klassismussatire verhandelt bitterböse und gleichermaßen intelligent wie humorvoll die Strukturen sozialer Ungleichheit und Klassenunterschiede in unserer Gesellschaft und stellt entscheidende Fragen: Steht die eigene finanzielle Sicherheit vor gesellschaftlicher Solidarität? Wie fair verteilt sich das Vermögen in Deutschland? Sichern die Prinzipien der Leistungsgesellschaft die finanzielle Existenz?
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Pressestimmen

Bitterböser Klassenkampf: Viel Applaus für die Premiere von »Jeeps« im Deutschen Theater Göttingen »Komik und Drama wechseln sich im Verlauf mit überraschenden Wendungen ab. Dabei agieren die vier Darstellenden mit großem Spiel- und Wortwitz, so dass das Zuschauen trotz der ernsten Thematik ein großes Vergnügen ist, dem der langanhaltende Applaus für die kommenden Vorstellungen den Teppich ausrollt.»
Jörg Linnhoff, Göttinger Tageblatt 5.10.2022

Vererben und Verderben »Rasantes Theater zwischen allen Stühlen, aber mit ernstem Hintergrund ... Meera Theunert führte Regie und ließ alle Register praller Schauspielkunst ziehen … Ein wenig Brecht’sches Theater, ein wenig Drama, viel Satire und Klamotte nicht zu knapp … Für die zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler ist das Stück ein Kraftakt und sie bestehen ihn mit Bravour. Rebecca Klingenberg spielt Maude mit allen Facetten ihres Könnens. Für den ›Jobcenter-Blues‹ gab es Szenenbeifall. Silke füllt die Rolle der Erbin zwischen Standesbewusstsein und Weinerlichkeit ebenso gut aus. Brilliant auch Roman Majewski als der Hosenträger-Gabor, die Persiflage eines Beamten, der auch die Brechungen des wohlfeilen Klischees gut rüberbringt. Und Gerd Zinck als Armin spielt den Strippenzieher und Überblickbewahrer ruhig und überzeugend aus.«
Johannes Mundry, HNA 4.10.2022

Was bleibt? »Das Wissen um soziale Ungerechtigkeit in Deutschland – und auch nach langer Diskussion – betroffene Ratlosigkeit und viele offene Fragen in Bezug auf sinnvolle Handlungsmöglichkeiten auf einem Weg hin zu mehr Chancengleichheit, Teilhabe und einer gerechteren Verteilung von Gütern und Besitz. ›Jeeps‹ lädt dazu ein, sich diesen Fragen und Problemen zu stellen, seinen Alltag zu überprüfen und Verhaltensweisen in Bezug auf Politik und Gemeinschaft zu hinterfragen.«
Antje Oeler-Gremmler, Scharfer Blick/Kritikerclub 20.10.2022

Witzig, böse, schnell »Ein gesellschaftskritisches Theater, das mit neuen Lösungsansätzen für alte Probleme überrascht ... Es überzeugt mit starken Charakteren, unerwarteten Wendungen und unkonventionellen Brüchen. +++ ›Jeeps‹ ist wunderbar gespielt. Es ist hochpolitisch, aber auch sehr witzig! Ich gehe mit vielen Gedanken nach Hause und denke über mein eigenes Erbe nach. +++ Wahnsinn, wie die Bürokratie einen auch im Theater erschlägt! ... +++ Ich fand das Stück sehr unterhaltsam und beeindruckend. Es hat mich dazu angeregt, zu reflektieren, wie ich über Geld bzw. das Vermögen oder Nicht-Vermögen meiner Eltern spreche. +++ Unabhängig von der Thematik ist ›Jeeps‹ einfach schön anzusehen: Die pastellige Ästhetik des Bühnenbilds ergänzt sich mit den comichaft überzeichneten Kostümen: B-E-A-U-T-I-F-U-L! +++ Theater als Guy-Ritchie-Film im besten Sinne! Witzig, böse, schnell und direkt da hin, wo’s weh tut. +++ ›Jeeps‹ treibt es auf die Spitze und bringt damit soziale Missstände auf den Punkt, so dass man nicht mehr weiß, ob man vor Erstaunen, Empörung oder vor lauter Lachen den Kopf schütteln soll. +++ Das Stück behandelt ein gesellschaftlich sehr komplexes Thema auf eine (teilweise) amüsante Art und Weise ... Das Stück schafft es, meiner Meinung nach, zum Nachdenken über beide Ansichten anzuregen und strikte Positionen aufzuweichen. +++ ›Jeeps‹ hält uns gekonnt den Spiegel vor, so dass wir über die – von den vier Schauspieler*innen glänzend umgesetzte – Situationskomik lachen und uns Sekunden später dabei ertappen, wie wir uns in den Figuren wiedererkennen. Auf dem Nachhauseweg die ungeklärten Fragen im Kopf: Wie ändern wir das alles? Ist eine gerechtere Verteilung möglich?
Lisa Bissinger, Lydia Förster, Katja Hagedorn, Ronja Kirschke, Marita König, Louis Valentino Kolkmeyer, Ina Laengner, Antje Oeler-Gremmler, Lena Sofia Schraml und Jan Wernicke, Scharfer Blick/Kritikerclub 10.10.2022

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