Szenen einer Ehe

Ingmar Bergman
dt.1
Premiere 29. April 2022
Dauer 160 Minuten
03.02
Fr
19:45-22:25 Uhr
Erzählt wird der unausweichliche Verfall der Ehe von Marianne und Johan, die in der Homestory einer Zeitschrift als perfektes Paar präsentiert werden. Doch die Veröffentlichung ihres privaten Glücks wird zum Auslöser, die Risse wahrzunehmen, die sich längst in der makellosen Fassade ihres Zusammenlebens gebildet haben. Johan hat sich in eine seiner Studentinnen verliebt und plant, Marianne zu verlassen. Die verliert, ob dieser Ankündigung, zunächst den Boden unter den Füßen, doch als Johan tatsächlich geht, lernt sie die neue Freiheit zu schätzen. Damit wiederum hat Johan nicht gerechnet, der nach seinem heftigen, aber perspektivlosen Abenteuer zu Marianne zurückkehren will. Beide entschließen sich schließlich zur Scheidung, doch bis die wirklich stattfindet, liefern sie sich einen unerbittlichen Kampf.

Zum Autor Ingmar Bergman
1997 verliehen ihm die Filmfestpiele von Cannes den Titel »Bester Regisseur aller Zeiten«. Doch der so geehrte Filmemacher zog es vor, zur Preisverleihung nicht anwesend zu sein. Dreimal hieß es »and the Oscar goes to: Ingmar Bergman« und dreimal glänzte der schwedische Filmemacher zwar mit seinen Filmen, ansonsten aber durch Abwesenheit. Bergmans (1918-2007) Leidenschaft galt der Arbeit am Set und auf der Bühne, das repräsentative Beiwerk interessierte ihn wenig. Dass Bergman auch als Opern- und Schauspielregisseur vielbeachtete Inszenierungen auf die Bühne brachte, dass er Schwedens wichtigstes Sprechtheater, das Dramaten, leitete, ist durch den Weltruhm, den er mit seinen Filmen erwarb, außerhalb Schwedens häufig in Vergessenheit geraten.
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Pressestimmen

Odi et amo »Das Deutsche Theater Göttingen bringt unter der Regie von Moritz Franz Beichl Ingmar Bergmans »Szenen einer Ehe« auf die Bühne und beweist glänzend, dass dies alte Werk seltener Dichtheit und Dringlichkeit nichts an Strahlkraft eingebüßt hat ... Die Inszenierung hält sich sehr dicht an den Film und lässt von seinen Qualitäten nichts verloren gehen ... Das leidenschaftliche, schillernde Spiel von Liebe und Hass, von Ernst und Heiterkeit beherrschen die unter Beichls Regie Spielenden virtuos. Rebecca Klingenberg und Bastian Dulisch spielen Marianne und Johan, indem sie unermüdlich dem ständigen Schwanken zwischen den Extremen feinnuancierten Ausdruck geben … Das minimalistische Bühnenbild von Ute Radler unterstreicht die Allgemeinheit der Aussage und lenkt die Aufmerksamkeit aufs Wort wie auf die in ihm sich äußernden Vorgänge ... Andrea Strube und Volker Muthmann stellen im Spielen gleich mehrerer Rollen ihre Wandlungsfähigkeit unter aussagekräftigen Beweis ... Der Vor-hang fällt in einem Augenblick skrupellosen, vielleicht nur vorläufigen Glücks: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.«
Leonard Herbst, litlog.de 5.5.2022

Gescheitert zusammen »Die vier Schauspieler*innen, die an diesem Abend auf der Bühne stehen, versprechen, dem Publikum schon länger bekannt, gute Unterhaltung. Und man wird nicht enttäuscht: Volker Muthmann hat nicht allzu viel zu spielen (dafür mehr zu singen), füllt aber alle seine Aufgaben gelungen aus. Andrea Stru-be akzentuiert die unterschiedlichen Eigenarten ihrer vier Figuren überzeugend und spielt vor allem als Mutter Mariannes begeisternd ... Den Darsteller*innen von Marianne und Johan sollte man allein schon wegen ihrer Textmengen Respekt zollen: Rebecca Klingenberg spielt die Marianne insgesamt gekonnt … spielt sie in den hoch emotionalen Szenen ihrer Figur sowie im gesamten zweiten Teil in guter bis sehr guter Form. Ein Ereignis für sich aber ist das überbordende, dann wieder zurückgenommene, jederzeit absolut beeindruckende Spiel Bastian Dulischs, dessen atemberaubende Darstellung Johans allein schon Grund genug für den Besuch dieses Stücks ist ... Ein kluges Bühnenkonzept und ein meisterhaft agierender Bastian Dulisch sind die Hauptargumente, die ›Szenen einer Ehe‹ zu einem sehr empfehlenswerten Stück machen. Wertung: ✱✱✱✱✱✱✱✱✱ 9 von 10 Sternen!«
Marcel Lorenz, unddasleben.wordpress.com 4.5.2022

Bravorufe im Premieren-Publikum »Kampf Mann gegen Frau bis zum Ruin … Das Premieren-Publikum war begeistert … Die Inszenierung von Moritz Franz Beichl wurde mit Trampel-Applaus und Bravorufen gefeiert ... Ute Radler hat einen an drei Seiten geschlossenen nackten Raum auf die Bühne gestellt, nach hinten zwei höhere Ebenen, karg, schmucklos. Denn es geht in Bergmans Stück um das Innenleben von Marianne und Johan, das sich in Dialogen dem Zuschauer ganz allmählich öffnet. Was sich da abzeichnet, ist meist ausgesprochen beklemmend, manchmal schrecklich, nicht selten aber auch komisch, nirgends langweilig, sondern ziemlich spannend, weil man nie vorher weiß, was dabei zutage tritt ... Rebecca Klingenberg und Bastian Dulisch sind Marianne und Johan. Sie bewältigen die immense Textmenge – Spieldauer zweidreiviertel Stunden einschließlich Pause – mit Bravour. Die Entwicklung von den erfolgreichen Bilderbucheheleuten, die jedem Konflikt schweigend-lächelnd ausweichen, zum in blankem Hass tobenden Paar zeichnen sie sehr glaubhaft nach, auch jene Momente, in denen ihre körperliche Anziehungskraft wieder aufflammt ... Beichl gibt den Zuschauern bisweilen mit wunderbar absurden Einfällen die Möglichkeit, sich für einen Moment mit einem Lachen vom Hochdruck des Textes zu befreien … Andrea Strube und Volker Muthmann, sonst mit den kleinen Rollen von Nebenfiguren befasst, denen sie klares Profil geben, singen englische Songs … Ihr Gesang ist ziemlich professionell und hat beachtliche Ausdrucksqualitäten .... Ungeheuer intensiven Eindruck dieser Inszenierung … Der Beifall für Ensemble und Produktionsteam am Schluss wollte kaum enden. In ihn mischten sich begeistertes Trampeln und Bravorufe.«
Michael Schäfer, goettinger-tageblatt.de 30.4.2022

Am Ende ist die Welt aus den Fugen »Für das Drama hat Regisseur Moritz Franz Beichl plakative Bilder gefunden. Das Publikum zeigte sich begeistert und belohnte das Regieteam mit Bravorufen, auch die Schauspieler freuten sich über viel Applaus und Trampeln ... Dass es hinter der Fassade mehr als bröckelt, bringt Rebecca Klingenberg hervorragend zum Ausdruck. Fast schon winzige Bewegungen in ihrer Mimik verraten, wie es um ihr Gefühlsleben steht … Dem Regieteam gelingt es, die Verstörung zwischen Marianne und Johan hörbar sowie sichtbar zu machen … Neue, starke Bilder für Ingmar Bergmans Klassiker: ein krasser Abend, der die Zuschauer nicht unbedingt unbeschwert entlässt. Absolut überzeugend ist die Leistung der Akteure.«
Ute Lawrenz, HNA 2.5.2022

Der Schein trügt über lange Zeit – nur nicht auf Dauer »Rebecca Klingenberg und Bastian Dulisch verstehen sich auf subtile Zeichensprache und wie sich dabei bereits der trügerische Schein in den Szenen über eine Ehe entlarvt, in der es nicht zu Wutanfällen und Ekelgefühlen kommen durfte – oder manchmal auch zu Mordgelüsten, die irgendwie kompensiert werden wollten … Wo der emotionale Aufruhr in Wünschen, Sehnsüchten und Hoffnungen einfach nicht verstummen will, kommt die Musik ins Spiel. Fabian Kuss hat für Andrea Strube und Volker Muthmann eine Serie von Pop-Hymnen arrangiert, die das Szenario wie ein Klangkino für die großen Gefühle und Leidenschaften kontrastieren, die es in Freiräume drängt, die sich nicht an Treuegelöbnisse und andere Modalitäten des Zusammenlebens halten … Ein grandioser Theaterabend und ein grandioses Schauspielteam.«
Tina Fibiger, Kulturbüro 3.5.2022

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